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Verlorene Welt

von Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Der interdimensionale Raum brach strahlend auf. Gleißende Blitze aus reiner Energie zuckten um den gerade entstandenen Dimensionsriss - ein künstlich erzeugtes "Schwarzes Loch", ein Durchgang zu einem unvorstellbar fremden Multiversum, in dem Zeit und Raum keine Bedeutung hatten.

Inmitten der grellen Energie-Entladungen tauchte ein metallischer Körper auf: ein Raumschiff.

Langsam verblasste die grelle Strahlung, die Energieentladungen ließen nach, wurden schwächer und hörten schließlich ganz auf. Das künstliche "Black Hole" löste sich auf und verschwand spurlos.

Zurück blieb nur das Raumschiff, das jetzt in relativer Bewegungslosigkeit im Vakuum des Raumes schwebte.

Aufatmend lehnte sich John Brenton in sei­nem Kommandostand zurück. Eine Rück­kehr aus dem interdimensionalen Raum in den sogenannten "Normalraum" war eine erhebliche psychische und physische Be­lastung, die nur stabile und körperlich gut trainierte Menschen aushalten konnten. Bei den ersten Versuchen der "Raumsprünge" hatte es katastrophale Unglücksfälle gege­ben, der einige Raumschiffe samt Besatzun­gen zum Opfer gefallen war. Und dies war der erste "Sprung" über eine Distanz von mehr als zehn Lichtjahren

Vor dem Raumschiff schwebte groß und majestätisch das Ziel der Reise:

Der 6. Planet

des RIGEL-Sonnensystems

im Sternbild Orion.

 

"Alles in Ordnung," meldete der Erste Offi­zier, "Wir sind noch zwei Astronomische Einheiten vom Ziel entfernt. In 160 Minuten gehen wir in einen äquatorialen Orbit um RIGEL VI. Sämtliche Messgeräte laufen bereits. In ein paar Minuten haben wir schon die ersten Daten."

Brenton blickte wieder auf den Bildschirm. Das war also die Welt, von der aus Ultra­kurzwellen-Signale in den Weltraum gesen­det wurden, die auf die Existenz einer intelligenten Lebensform hinwiesen. Auf der Erde waren diese Signale schon seit fünfundsiebzig Jahren empfangen worden, aber bislang hatte es keine Möglichkeit gegeben, dem Ursprung dieser Sendungen auf den Grund zu gehen.

Natürlich waren UKW-Signale als Antwort gesendet worden, aber da das Rigel-Sonnensystem 1304 Lichtjahre von der Erde entfernt war, konnte man kaum auf eine Antwort hoffen, zumal niemand sagen konnte, ob die Wesen, welche die Sendungen abgeschickt hatten, überhaupt noch existierten.

Die Transmissionstechnik, mit der "Raumsprünge" mit Hilfe von künstlich erzeugten "Black Holes" erst möglich waren, war erst nach dem Ende des 1.stellaren Krieges entwickelt worden, in dem die Marskolonien ihre Unabhängigkeit von der Erde erkämpft hatten.

Danach hatte es noch einige Jahre gedauert, bis diese Technologie ausgereift genug war, um sie ohne größere Risiken anwenden zu können, obwohl es noch immer gewisse Unwägbarkeiten gab.

Bisher waren die "Raumsprünge" nur verwendet worden, um Entfernungen bis zu zehn Lichtjahren in Nullzeit zurückzulegen. Dies war die erste Raum-Expedition, die weit über diese Entfernung hinausging. Und sie diente dem Zweck, endlich direkten Kontakt mit fremden Intelligenzen aufzunehmen.

"Sobald wir im Orbit sind, schalten Sie den Robotpiloten ein", ordnete der Kapitän an, "Danach sollen die Landefähren startklar gemacht werden. Sobald wir genauere Daten haben, schicken wir ein Vorauskommando nach unten. Ich leg' mich erst mal 'ne Weile auf's Ohr. Lassen Sie mich wecken, wenn es soweit ist."

Mit diesen Worten erhob sich Brenton aus seinem Sitz und verließ die Kommandozentrale.

Dan Price, der 1.Offzier, schaltete die Hauptsteuerung auf sein Kommandopult um, die Kontrolle der Schiffsantriebe zu übernehmen. Nachdem die Navigatorin Peggy Wellman ihm die notwendigen Daten übermittelt hatte, schaltete er die automatische Steuerung ein und lehnte sich in seinem Sitz zurück.

"Dann wollen wir doch mal sehen, was für Überraschungen dieser Planet für uns bereithält", murmelte er.

 

 

Als der Kommandant in die Ortungszentrale gerufen wurde und sich ein paar Minuten später dort einfand, stellte er erstaunt fest, dass sich dort fast alle Schiffsoffiziere versammelt hatten.

"Sind die Messdaten schon ausgewertet?" wandte er sich an den Charles Krosen, den Leiter der Ortungsabteilung.

"Ja, Käpt'n," antwortete dieser, "Aber es gibt eine ziemlich unangenehme Überraschung."

"Dann berichten Sie!"

"Der Planet Rigel VI ist radioaktiv verseucht. Normalerweise dürfte es dort kein Leben in unserem Sinne mehr geben. Außerdem ist die Oberflächenstruktur äußerst instabil. Wir haben starke Beben und Vulkanausbrüche festgestellt. Im flüssigen Innern des Planeten konnten wir äußerst starke Eruptionen messen. Dieser Planet wird nicht mehr lange existieren. Sein innerer Druck baut sich kontinuierlich auf und wird die Oberflächenkruste bald wie eine brüchige Eierschale auseinandersprengen. Es sieht so aus, als würden wir zu spät kommen."

"Aber wir empfangen doch immer noch diese Radiosignale," wandte der Kapitän ein.

"Die können auch von einer automatischen Anlage stammen," meinte Dan Price, "Es ist nicht anzunehmen, dass wir dort noch irgendein lebendes Wesen finden."

"Wie lange wird es dauern, bis der Planet auseinanderfliegt?" wollte Brenton wissen.

"Wir rechnen damit in etwa 90 Stunden," antwortete die Navigatorin, "Bis dahin sollten wir die KOLUMBUS in einen sicheren Abstand gebracht haben, sonst zerreißt es uns das Schiff."

Der Kapitän überlegte ein paar Sekunden, dann meinte er: "Wir schicken trotzdem ein Landekommando hinunter, das sich dort nach dem Sender umsehen und eventuell Proben der fremden Technologie hochbringen soll. Dann waren wir wenigstens nicht völlig umsonst hier."

 

 

Leutnant Heinz Fischer führte das siebenköpfige Landekommando an, dass kurz darauf mit einem der drei Beiboote zur Oberfläche von Rigel VI hinunterschwebte. Die sieben Männer und Frauen der Landegruppe waren nicht nur mit Schutzanzügen, sondern vorsichtshalber auch mit halbautomatischen Raketengewehren ausgerüstet worden, da niemand vorhersagen konnte, wie artfremde Intelligenzen auf die Begegnung mit irdischen Raumfahrern reagieren würden. Wenn es solche Intelligenzen noch auf dem Planeten gab und wenn sie in ihrer Wesensart auch nur annähernd dem Menschen glichen, dann musste mit aggressiven Reaktionen gerechnet werden.

Das Beiboot landete in unmittelbarer Nähe eines unregelmäßigen Gebildes, das wie eine Ansammlung von aufrecht stehenden Eiern wirkte, deren Schalen allerdings vielfach geborsten oder   sonstige Beschädigungen aufwiesen.

Es war anzunehmen, dass es sich um eine ehemalige Siedlung oder Wohnanlage der Planetenbewohner handelte, in der sich auch der Sender befinden musste, wie die letzte Funk-Peilung unzweifelhaft anzeigte.

"Clarks," wandte sich der Leutnant an den Mann, der mit ihm als erster das Beiboot verlassen hatte, "Sie und Matony bleiben hier beim Shuttle. Ich gehe mit den anderen hinüber zu dieser Gebäudeansammlung, um dort den Sender zu suchen. Wir werden in ständiger Funkverbindung bleiben. Wenn sich irgendetwas regen sollte, rufen Sie uns sofort zurück."

"Was sollte sich denn hier noch regen?" brummte Clarks, "In dieser radioaktiven Hölle kann doch nichts ohne Schutzanzug überleben."

Der Leutnant zuckte die Schultern.

"Sicher ist sicher," meinte er, dann winkte er den anderen, ihm zu folgen.

Matony und Clarks schauten ihnen nach, bis sie zwischen den eierförmigen Gebäuden verschwanden.

"Geh' wieder hoch ins Cockpit", meinte Clarks, "Ich werd' hier aufpassen, bis sie wieder zurückkommen."

"In Ordnung," brummte Matony, "Dann kann ich die Umgebung in der Zwischenzeit mit dem Bord-Scanner überprüfen. Wenn irgend'was los ist, sag' mir Bescheid."

Die Frau kletterte wieder zurück in das Beiboot und schloss - ganz nach Vorschrift - die Einstiegsluke hinter sich.

 

 

Leutnant Fischers Erkundungstrupp näherte sich dem Zentrum der Gebäudeansammlung, wo sich der Sender anscheinend befinden musste, wenn man dem Peilgerät glauben konnte. Alle zehn Minuten funkte der Leutnant das Beiboot an und gab seine Alles-in-Ordnung-Meldung an Matony durch.

Plötzlich hörte er die Frau in seinem Helmempfänger schreien: "Da ist etwas in eurer Nähe!  Der Scanner zeigt eine Menge fremder, beweglicher Objekte an! Um euch herum!  Kommt sofort zurück!"

Doch bevor der Leutnant und seine Begleiter irgendetwas tun konnten, ertönte mehrfaches, kurzes Zischen, dann brach die Verbindung ab. Matony hörte nur noch gleichmäßiges Rauschen aus ihrem Empfänger. Von der Erkundungsgruppe war kein Lebenszeichen mehr festzustellen.

"Clarks!" rief sie den Mann, der draußen vor dem Shuttle Wache hielt, "Komm sofort 'rein. Gefahr!"

Aber auch Clarks gab keine Antwort mehr. Erschrocken sah sie die Kontrollanzeige für die Einstiegsluke aufblinken. Irgendjemand war gerade dabei, in das Shuttle einzudringen....

 

 

"Wir haben keine Verbindung mehr zum Landekommando, Kapitän."

"Verdammt! Können wir wenigstens das Beiboot noch orten?"

"Nein," gab Krosen kopfschüttelnd zurück, "Jedenfalls nicht mehr dort, wo es gelandet ist. Entweder werden unsere Ortungsstrahlen auf irgendeine Weise abgelenkt oder das Beiboot ist von dort verschwunden. Aber wir haben keinen Start beobachtet. Das Zünden der Antriebsdüsen hätten wir mit Sicherheit bemerkt."

"Gibt es noch irgendwelche Lebenszeichen von unseren Leuten?" fragte Brenton.

"Keine," murmelte Price leise und zuckte ratlos mit den Schultern, "Wir müssen davon ausgehen, dass von denen keiner mehr lebt. Sollen wir noch ein Kommando hinunter schicken ?"

"Um noch mehr Leute zu verlieren ?" fragte  der Käpt'n zurück, "Auf gar keinen Fall !! Vergrößern Sie den Abstand zum Planeten und versuchen Sie das verschwundene Beiboot zu orten. Mehr können wir im Augenblick ohnehin nicht machen."

 

 

Auch nach drei Umkreisungen und großflächigen Mess- und Ortungsversuchen war das Beiboot nicht gefunden. Der Kapitän spielte bereits mit dem Gedanken, die Suche aufzugeben und die KOLUMBUS in einen sicheren Abstand von der todgeweihten Welt zu bringen, um von dort aus ihren Untergang zu beobachten. Niemand an Bord glaubte noch, dass von dem Landekommando noch jemand am leben war.

Umso größer war die Überraschung, als plötzlich ein Funksignal empfangen wurde, das ganz eindeutig den Erkennungskode der KOLUMBUS hatte!

Und dann hörten sie die Stimme von Leutnant Heinz Fischer aus den Lautsprechern schallen:

"Hallo KOLUMBUS, hören Sie mich? Hier ist Leutnant Fischer. Bitte antworten Sie!"

Der Kapitän stürzte an die Funkanlage.

"Mensch, Fischer, wo haben Sie denn gesteckt. Wir suchen schon seit Stunden nach Ihnen und den anderen! Was ist da unten passiert?"

"Wir wurden von den Planetariern gefangengenommen. Aber keiner von uns wurde dabei verletzt. Die Planetarier benutzten eine Art Schockstrahler, um uns außer Gefecht zu setzen. Aber eigentlich sind sie uns nicht feindlich gesonnen."

"Und warum wurden Sie dann überfallen?" wollte der Kapitän wissen.

"Sie wussten nicht, wie wir uns verhalten würden," antwortete der Leutnant, "Sie befürchteten, dass wir unsere Waffen einsetzen könnten, wenn wir sie zu sehen bekämen. Dann haben sie uns mitsamt dem Beiboot unter die Oberfläche gebracht, weil sie fürchteten, dass die KOLUMBUS sie angreifen würde."

"Wie können Sie sich mit ihnen verständigen? Benutzen die Planetarier eine Lautsprache wie wir?"

"Ja, aber damit hätten wir nicht miteinander kommunizieren können, da wir nicht ihre und sie nicht unsere Sprache verstehen. Wir benutzen stattdessen unsere Gestik und schnell gezeichnete Bilder. Das klappt ganz prima, auch wenn es etwas umständlich ist."

"Und was wollen die Planetarier von uns ?"

"Sie wollen weg von diesem Planeten," sprach der Leutnant, "und dazu brauchen sie unsere Hilfe, da sie nicht mehr in der Lage sind, ein Raumschiff zu bauen, mit dem sie von dieser Welt fliehen können. Ihre letzte Hoffnung war der Sender, mit dem sie ihre Signale in den Weltraum schickten, damit jemand kommt, der ihnen helfen kann."

"Wollen Sie damit sagen, dass die Funksignale ein interstellarer Notruf waren?"

"Ursprünglich nicht," erklärte der Leutnant, "denn der Sender wurde schon vor  über tausend Jahren unserer Zeitrechnung installiert. Aber nachdem dieser Planet verwüstet wurde, war der Sender ihre letzte Hoffnung auf Rettung. Und so sorgen sie seit Generationen dafür, dass die Signale weiter in den Weltraum gesendet werden."

"Wodurch wurde der Planet verwüstet?" wollte Brenton wissen.

"Nuklearer Krieg," meinte Fischer lakonisch, "Das Schicksal, das unserer Erde im 20. Jahrhundert erspart blieb, hat diese Welt vor nicht allzu langer Zeit mit aller Gewalt getroffen. Die Wesen, die wir hier gefunden haben, sind die letzten Überlebenden ihrer Art, und es sind nicht mehr viele."

"Wie viele sind es denn?"

"Ich weiß es nicht genau, aber soweit ich es verstanden habe, leben hier nur noch zwei- bis dreihundert Wesen --- der Rest von Milliarden."

Der Kapitän und die anderen mussten unwillkürlich schlucken, als sie das vernahmen.

Eine Weile herrschte Stille, dann hatte Brenton seine Fassung wiedergefunden.

"Wissen die Planetarier, dass sie nicht mehr viel Zeit haben?"

"Ja, sie wissen es," sprach der Leutnant.

"Und wie stellen sie sich unsere Hilfe vor?"

"Sie bitten darum, von uns evakuiert und auf den zweiten Mond von Sirius VIII gebracht zu werden, da dort Bedingungen herrschen sollen, unter denen sie überleben können."

"Okay," meinte Brenton, "Wir werden das überprüfen. Erlauben Ihnen die Planetarier, dass Sie mit Ihren Leuten wieder auf die KOLUMBUS zurückkehren können?"

"Ja," sprach der Leutnant, "Das Beiboot ist bereits wieder startklar und wird gerade an die Oberfläche gebracht. In Kürze kommen wir wieder nach oben. Wir werden einen Planetarier mitbringen."

"Dann beeilen Sie sich," meinte Brenton, "Wir haben jetzt nur noch etwa 70 Stunden Zeit, dann bricht der Planet auseinander."

 

 

Das Äußere des Fremden war kaum zu sehen, da sein unförmig wirkender Schutzanzug das meiste vor den Blicken der Raumfahrer verbarg. Trotzdem war zu erkennen, dass die Bewohner von Rigel VI saurier-ähnliche Vorfahren gehabt haben mussten. Es waren aufrecht gehende Sauroiden, etwas kleiner als Menschen, die aber neben ihrem  Stützschwanz und den kräftigen Beinen über zwei Armpaare verfügten. Die oberen Arme waren lang, kräftig und mit zwei Gelenken ausgestattet, wogegen die unteren, aus der Bauchgegend herauswachsenden Arme regelrecht verkümmert wirkten. Vermutlich waren sie nützlich bei feineren, komplizierten Tätigkeiten, während die oberen Arme vermutlich für grobere Arbeiten gebraucht wurden, bei denen es mehr auf Kraft als auf Geschicklichkeit ankam.

Durch das reflektierende Visier des Schutzhelmes war kaum etwas vom Gesicht des Fremden zu sehen, aber dass sein Schädel dem eines Leguans ähnelte, war schon an der Form seines Schutzhelmes zu erkennen.

Sämtliche Offiziere der KOLUMBUS waren zugegen, als der Rigelaner Skizzen auf ein  Zeichenbrett zeichnete und mit seinen oberen Armen gestikulierte, um sich den Raumfahrern verständlich zu machen.

Kapitän Brenton versuchte ihm auf die gleiche Weise zu antworten.

Mittlerweile war das zweite der vier Beiboote des Fernraumschiffes zum achten Planeten des Rigel-Systems geschickt worden, um dessen drei Monde zu untersuchen. Der achte Planet des Rigel-System besaß fast die dreifache Größe des Jupiters. Tatsächlich hatte einer seiner Trabanten eine Sauerstoff-Stickstoff-Atmosphäre und besaß genügend Masse, um aufgrund der daraus resultierenden Schwerkraft diese Atmosphäre auch halten zu können. Die vom 1.Offizier geführte Expedition stellte zudem fest, dass es auf dem fast erdgroßen zweiten Mond eine ausgeprägte Fauna gab. Es bestand also tatsächlich die Möglichkeit, dass die Wesen von Rigel VI dort eine Überlebenschance hatten, wenn es gelang, sie dorthin zu bringen.

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse konnte Kapitän Brenton dem Abgesandten der Rigelaner zu verstehen geben, dass es möglich war, zweihundert seiner Artgenossen für kurze Zeit in den Laderäumen der KOLUMBUS unterzubringen, nachdem man sie an Bord genommen hatte. Auf diese Weise würde man sie zum zweiten Mond von Rigel VIII bringen können. Voraussetzung dafür war allerdings, dass der Sauerstoff in den Schutzanzügen der Rigelaner für die Dauer des Raumfluges ausreichte, denn es war notwendig, dass die Rigelaner ihre Schutzanzüge während ihres Bordaufenthaltes trugen, um die Besatzung der KOLUMBUS vor der Gefahr radioaktiver Verstrahlung zu schützen, die von den Rigelanern ausgehen konnte.

Der Abgesandte der Planetenbewohner erklärte sich damit einverstanden und so begann die erste interstellare Rettungsaktion in der Geschichte der Menschheit.

 

 

Als der sechste Planet des Rigel-Sonnensystems auseinanderbrach und sich regelrecht in eine kleine, kurzlebige Sonne verwandelte, befand sich die KOLUMBUS mit den überlebenden Rigelanern an Bord bereits auf dem Weg zum zweiten Mond des achten Planeten.

14 Stunden später landete das Raumschiff auf dem Mond und die Rigelaner betraten den Boden ihrer neuen Heimat, in der Hoffnung, dass ihre Art dort überleben konnte. Es war ihnen möglich gewesen, einen großen Teil an Ausrüstung und Hilfsmittel mitzubringen, was ihnen das Überleben erleichtern würde.

Nachdem die Evakuierten von Bord gegangen waren, startete die KOLUMBUS wieder und ging in einen äquatorialen Orbit um den Mond. Ihre Beiboote machten von dort aus mehrere Erkundungsflüge, um das Rigel-System zu katalogisieren und Aufnahmen von den Planeten zu machen.

Nachdem dies geschehen war, entschloss sich der Kapitän, den Rigelanern einige Vorräte und Ausrüstungen zu überlassen, die man auf der KOLUMBUS entbehren konnte.

22 Tage nach der Evakuierung der Rigelaner entschloss sich Kapitän Brenton, den Rückflug zur Erde anzutreten......

 

 

"Ob sie es schaffen, zu überleben und ihre Art zu erhalten?" fragte der 1.Offizier, während die KOLUMBUS Kurs auf die Leere des interstellaren Raumes nahm.

"Nein," meinte der Kapitän leise, "Sie waren alle längst so sehr radioaktiv verseucht, dass sie höchstens noch ein paar Jahre überleben können. Vielleicht wird es noch eine Generation von Nachkommen geben, aber danach wird diese Lebensform endgültig untergehen. Sie haben keine Chance mehr. Es grenzt schon an ein Wunder, dass sie überhaupt so lange überleben konnten."

"Wozu haben wir ihnen dann noch geholfen?" wollte Leutnant Fischer wissen.

"Wären Sie in der Lage gewesen, ihnen diese letzte Hoffnung zu nehmen ?" fragte ihn der Kapitän.

Der Leutnant gab ihm darauf keine Antwort.

 

 

 Ende

 

 


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