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STAR-FORCE

Science-Fiction-Serie

von

Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Band 2

 Dezernat "GS"

 

König Niron III. hatte den gesamten Hochadel des keljanischen Reiches zum jährlichen Kronball in den Regierungspalast von Gelsha-Kelja geladen.

Natürlich waren auch die Botschafter aller Weltraumstaaten eingeladen, mit denen das keljanische Reich diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen unterhielt.

So war auch Roseanne Dupont, ihres Zeichens Botschafterin der terranischen Föderation, bei dieser Festlichkeit zugegen.

 

Die drei Planeten des Kelja-Systems, welches sich nahe der Grenze des terranischen Föderationsgebietes befand, waren bereits zu Beginn des 22.Jahrhunderts kolonialisiert worden und gehörten zu den interstellaren Staatssystemen, die sich von der Föderation getrennt hatten und unabhängig waren.

Da die Kolonisten der 1.Generation fast ausschließlich direkte Nachkommen des europäischen Adels gewesen waren, hatten sie auf den Kelja-Planeten eine monarchistische Staatsform konstituiert, deren Oberhaupt durch die Erbfolge bestimmt wurde.

Nachdem sich ein Großteil der ehemaligen terranischen Kolonien von der Föderation gelöst hatten und unabhängig geworden waren, hatte sich das Kelja-Reich aufgrund seiner zentralen Lage zu einem wichtigen handelspolitischen Zentrum entwickelt, das nicht nur enge politische und wirtschaftliche Verbindungen zur terranischen Föderation hatte, sondern solche auch zu den Staatssystemen unterhielt, die aus ehemaligen Kolonien der Erde entstanden waren.

Aus diesem Grunde war das keljanische Reich zugleich eine galakto-politische Drehscheibe, auf der sich Diplomaten, Händler und Wirtschaftsbosse aus allen Teilen der von Menschen besiedelten Galaxis ein Stelldichein gaben.

Als neutrale Macht übernahm das Kelja-Reich in vielen Fällen eine Vermittlerrolle zwischen verfeindeten Weltraumstaaten und trug maßgeblich dazu bei, dass Zwistigkeiten auf diplomatischem Wege ausgeräumt werden konnten, bevor die Kontrahenten zu militärischen Mitteln griffen.

 

Natürlich war die terranische Föderation als eine der einflussreichsten Mächte im besiedelten Teil der Galaxie nicht besonders erfreut darüber, dass das keljanische Reich auch zu den Mächten Beziehungen unterhielt, die der Föderation im Ringen um die Vorherrschaft feindlich gegenüberstanden, aber die Regierung auf der Erde war vernünftig genug, diesen Umstand zu tolerieren, vor allem deshalb, weil sie selbst davon auch profitieren konnte.

 

Botschafterin Dupont, die bereits seit drei Standardjahren auf Gelsha-Kelja, der Zentralwelt des Kelja-Reiches, die Interessen der Föderation vertrat, gehörte zu denen, die es durchaus begrüßten, hier die Möglichkeit zu haben, auch mit den Diplomaten jener Weltraumstaaten Kontakte zu pflegen, die offiziell keine diplomatischen Beziehungen zur terranischen Föderation unterhielten.

Auf diesem Wege gelangte sie an wichtige Informationen und hatte so schon manche Probleme durch Geheimdiplomatie lösen können, die sonst zu folgenschweren politischen Verwicklungen geführt hätten.

Es war ein offenes Geheimnis, dass sie zugleich auch eine hohe Offizierin des terranischen Geheimdienstes 'Dezernat-GS' war und in dieser Funktion die im Kelja-Reich operierenden terranischen Agenten befehligte.

Allerdings gab es im Kelja-Reich kaum einen Botschafter, der nicht zugleich für den Geheimdienst seines Staatssystemes tätig war.

 

Doch obwohl Roseanne Dupont in der Regel über fast alle Vorgänge auf den Kelja-Planeten bestens informiert war, wurde auch sie von den Ereignissen dieses Tages völlig überrascht.

 

Sie unterhielt sich gerade mit Chasar Shedom, dem Militärattaché des rodalischen Imperiums, der offensichtlich sehr erpicht darauf war, von ihr mehr über den Vorfall an der Grenze des Sagittarius-Spiralarmes zu erfahren, bei dem die Föderation ein Schlachtschiff der Sternenklasse verloren hatte.

Roseanne Dupont wunderte sich nicht darüber, dass Chasar Shedom etwas über den Zwischenfall bei SCORPIUS-X-1 wusste, wo das Schlachtschiff LEONIDAS während einer Routine-Patrouille auf das Raumschiff einer fremden, raumfahrenden Lebensform getroffen war und als Folge dieser Begegnung vernichtet worden war.

Schließlich wusste auch sie über Vorgänge im rodalischen Imperium Bescheid, von denen sie eigentlich nichts wissen sollte.

 

Ihre Unterhaltung wurde unterbrochen, als König_Niron_III. auf sein Podium stieg, um dort seine alljährliche Ansprache zu halten.

 

Aber dazu kam es nicht mehr, denn im nächsten Augenblick ertönten draußen die Abschussgeräusche von Energiewerfern, dann stürmte eine Gruppe von bewaffneten Offizieren in den Saal und richteten ihre Strahlwaffen auf die dort versammelten Menschen, die vor Schreck wie erstarrt waren.

Unbewusst tastete Roseanne nach dem kleinen Nadelstrahler in ihrer Hüfttasche, unterließ es jedoch, die Waffe einzusetzen, da sie genau wusste, dass sie gegen die schwerbewaffnete Gruppe nicht die geringste Chance hatte.

 

    "Was erdreistet ihr euch!" rief der König, "Was hat das zu bedeuten?"

 

Der Anführer der Offiziere trat vor das Podium und rief:

    "Eure Amtszeit ist hiermit beendet, König Niron! Die neue Regierung des Kelja-Reiches unter dem Vorsitz von General Bespan übernimmt ab sofort die Macht !"

 

    "Das ist Aufruhr!" rief der König mit vor Empörung zitternder Stimme.

 

Doch der Offizier ließ sich davon nicht im geringsten beeindrucken, sondern richtete seine Waffe auf den Monarchen, um ihn Sekundenbruchteile später kaltblütig zu erschießen....... 

 

 

Lordprotektor Jeffrey Hamblin, der oberste Befehlshaber des terranischen Geheimdienstes "Dezernat-GS", wurde von der Nachricht über den Militärputsch im keljanischen Reich völlig überrascht.

 

Aber die Meldung, dass kurz nach dem Putsch ein schwerbewaffnetes Kampfraumschiff des rodalischen Imperiums im Kelja-System aufgetaucht war, wunderte ihn nicht besonders. Seitdem das rodalische Imperium existierte, hatte es nichts unversucht gelassen, die Vormachtsstellung der terranischen Föderation in der besiedelten Galaxis zu brechen, um danach alle von Menschen besiedelten Sternsysteme unter seine Kontrolle zu bekommen.

Es sah ganz danach aus, als hätten die Rodaler auch bei dem Militärputsch im Kelja-System ihre Hände im Spiel.

 

Und wenn diese Vermutung stimmte, dann war jetzt eine äußerst brisante politische Situation entstanden, denn die Föderation konnte es keinesfalls zulassen, dass ihr größter politischer Gegner die Kontrolle über ein wichtiges Handelszentrum direkt an der Grenze ihres Raum-Gebietes erhielt.

Es war höchste Zeit, etwas dagegen zu tun....

 

 

Die obersten Befehlshaber der terranischen Raumstreitkräfte waren im Hauptquartier der Raumgarde auf dem Mars zu einer Krisensitzung zusammengekommen, an der auch die Außenministerin der Föderation, der Präsident des Senats und der Chef des Geheimdienstes teilnahmen.

 

Lordprotektor Hamblin war gerade dabei, die Versammelten über die Lage im Kelja-Reich zu informieren.

        "Wir befinden uns im Augenblick in einer äußerst prekären Situation", sprach er, "Der Putsch im keljanischen Reich hat uns völlig überrascht, da es vorher keinerlei Anzeichen gegeben hat, durch die wir vielleicht gewarnt worden wären. Und jetzt wird das Kelja-Reich von einem Diktator regiert, der offensichtlich recht enge Beziehungen zum rodalischen Imperium unterhält. Wir gehen davon aus, dass die Rodaler an der Vorbereitung dieses Putsches maßgeblich beteiligt waren und diesen vermutlich sogar angezettelt haben. Anders ist der Umstand nicht zu erklären, dass das rodalische Imperium bereits kurz nach der Machtübernahme offiziell verlautbaren ließ, dass es die neuen Machthaber im Kelja-System als legale Regierung anerkennt. Das Eintreffen eines rodalischen Kriegsschiffes der Sternenklasse im Kelja-System ist unter diesen Umständen sicher kein Zufall, sondern dient offensichtlich nur dem Zweck, die Position der Putschisten mit militärischen Mitteln zu festigen."

 

    "Sie glauben also, dass auf den Kelja-Planeten jetzt eine Marionettenregierung der Rodaler die Macht übernommen hat?" fragte Lordadmiral Richard Hawkstone, der Oberbefehlshaber der terranischen Raumstreitkräfte.

 

    "Genau das", bestätigte Hamblin, "Und damit bringt das rodalische Imperium den wichtigsten Handelsknotenpunkt der besiedelten Galaxis unter seine Kontrolle."

 

    "Das können wir doch nicht zulassen!" rief Großadmiralin Jennifer Mandara, die Oberbefehlshaberin der schnellen Raumverbände (SRV), "Wir sollten sofort ein Trägerschlachtschiff in das Kelja-System schicken und mit unseren Raumlandetruppen dem Spuk dort ein Ende bereiten."

 

    "Das würde unweigerlich zum Krieg mit den Rodalern führen," wandte Außenministerin Betty Nelson ein.

 

    "Und einen solchen Krieg können wir uns derzeit nicht so ohne weiteres leisten," meinte Lordadmiral Hawkstone, "Ein Teil der Flotte überwacht das Gebiet der Tamarin-Amazonen, weitere Kontingente sind damit beschäftigt, die Randwelten-Nomaden in Schach zu halten, und zuguterletzt muss auch noch der Sagittarius-Spiralarm überwacht werden, weil wir dort eine fremde, raumfahrende Macht vermuten, die uns seit dem Leonidas-Vorfall mit Sicherheit nicht sehr freundlich gesinnt ist."

 

    "Haben sich diese ominösen Gestaltwandler denn wieder bemerkbar gemacht?" wollte die Außenministerin wissen.

 

    "Wir haben bislang nichts mehr von ihnen festgestellt," antwortete Großadmiral Boris Kamarow, seines Zeichens Chef der Raumaufklärungsverbände (RAV), "Zur Zeit sind 14 unserer Fernaufklärer in den Sagittarius-Arm eingedrungen, um nach Spuren der Nardim zu suchen. Aber bis jetzt haben wir noch  keine neuen Erkenntnisse gewinnen können."

 

    "Im Bereich des Pulsares SCORPIUS-X-1 befinden sich derzeit das Trägerschlachtschiff HYDRA, die Schlachtschiffe CHINGIS-KHAN und HANNIBAL, sowie das 24.Kreuzergeschwader der schnellen Raumverbände," erklärte Lordadmiral Hawkstone, "Das dürfte uns erst einmal vor unliebsamen Überraschungen aus dem Sagittarius-Arm bewahren."

 

    "Nun gut," meinte die Außenministerin, "aber das ist momentan nicht unser hauptsächliches Problem. Was unternehmen wir gegen die Vorgänge im Kelja-Reich? Irgendwie müssen wir dem Treiben der Rodaler und ihrer Vasallen Einhalt gebieten, sonst haben diese Sklavenhalter bald den gesamten Handel unter Kontrolle."

 

    "Ich schlage vor, dass wir den Rodalern auf jeden Fall die Zähne zeigen," sprach der Lordadmiral, "Wir werden zwei unserer Trägerschlachtschiffe in die Nähe des Kelja-Systems senden. Zusätzlich können wir das 12.Kreuzergeschwader in den Grenzregionen des keljanischen Sektors patrouillieren lassen. So machen wir den Rodalern deutlich, dass wir durchaus in der Lage sind, auf ihr Treiben zu reagieren."

 

    "Das kommt aber einer Provokation gleich," wandte der Senatspräsident ein, der als Vertreter des Parlamentes an dieser Besprechung teilnahm.

 

    "Solange unsere Verbände sich innerhalb unseres eigenen Hoheitsbereiches aufhalten, werden sich die Rodaler nicht auf eine direkte Konfrontation mit uns einlassen," winkte Großadmiralin Sharpe ab, die Chefin der taktischen Raumverbände (TRV), "Aber ein demonstrativer Aufmarsch unserer Streitkräfte allein wird die Rodaler nicht dazu bringen, sich vom Kelja-System fernzuhalten."

 

    "Also müssen wir doch intervenieren," sprach Großadmiral John Raven, der die Strategischen Raumverbände (StRV) befehligte.

 

    "Meine Raumlandetruppen wären jederzeit in der Lage, die Putschisten auf den Kelja-Planeten auszuschalten," meldete sich jetzt Generalmarschall Henry Bolden zu Wort, "Wenn die Marsianische Legion schnell genug auf die Kelja-Planeten transportiert werden kann, wäre der Spuk dort in wenigen Tagen vorbei."

 

     "Eine militärische Intervention kommt nur als allerletzte Möglichkeit in Betracht," lehnte die Außenministerin ab, "Wir wollen keinen neuen Krieg anzetteln, solange es vermeidbar ist."

 

    "Dann müssen wir den Geheimdienst einsetzen," meinte Hawkstone und wandte sich an Hamblin: "Könnten Ihre Agenten die Vorgänge im Kelja-Reich überhaupt noch beeinflussen?"

 

    "Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen," antwortete der Lordprotektor bedächtig, "wenn es uns gelingt, die dortige Opposition gegen die Putschisten zu mobilisieren."

 

    "Gibt es denn dort überhaupt noch eine Opposition?" fragte die Ministerin.

 

    "Botschafterin Dupont erwähnte in ihrem letzten Bericht, dass es überall auf den Kelja-Planeten zu Aufständen gegen die Putschisten gekommen ist," erklärte Hamblin, "Allerdings sind diese Aufstände sehr schnell von den Polizei-Milizen niedergeschlagen worden. Offensichtlich ist ein Großteil der planetaren Streitkräfte den neuen Machthabern treu ergeben, obwohl es auch königstreue Einheiten gegeben haben soll. Aber diese Vorfälle zeigen, dass es durchaus oppositionelle Kräfte im Kelja-Reich gibt, die wir unterstützen sollten. Vielleicht gelingt es auf diesem Wege, das Regime der Usurpatoren zu stürzen."

 

    "Diese Möglichkeit müssen wir auf jeden Fall wahrnehmen," entschied die Ministerin, "Das ist eine Aufgabe für das Dezernat-GS, Mister Hamblin."

 

Der Lordprotektor nickte.

    "Damit habe ich bereits gerechnet. In zwei Tagen wird ein Einsatzkommando zum Kelja-System aufbrechen."

 

 

 

Informationsdatei 45829-2133

 

Rodalisches Imperium - allgemeine Daten:

"................ im Jahre 2133 wurde die "Neu-Arische Bewegung" als kriminelle Vereinigung verboten, die bis zu diesem Zeitpunkt als  Dach-Organisation der verschiedensten faschistischen und rassistischen Gruppierungen auf der Erde tätig war. Der Senat der vereinigten Völker verabschiedete darüber hinaus ein Gesetz, das jegliche politische Aktivität mit faschistoidem Hintergrund unter Strafe stellte.

Als Folge dieser Entscheidung kam es auf  der Erde zu weltweiten gewalttätigen Massenaufmärschen faschistischer Bewegungen, die nur durch den Einsatz von schwerbewaffneten militärischen Einheiten unterbunden werden konnten. Die politischen Führer dieser Organisationen und die meisten ihrer gewalt-tätigen Aktionisten wurden verhaftet und in eine Strafkolonie auf dem Jupitermond Ganymed deportiert.

Drei Monate später kam es jedoch in den Ganymed-Bergwerken zu einer Revolte der Strafgefangenen, denen es gelang, die Wachmannschaften zu entwaffnen und fünf auf dem Ganymed gelandete Raumfrachter zu erobern. Mit diesen Raumschiffen, die bereits mit den neuen Interdim-Antriebsaggregaten ausgerüstet waren, konnten die Verbrecher das solare Sonnensystem verlassen und in den interstellaren Raum entkommen.

Der Anführer dieser Ausbrecher war ein gewisser John Rodal, der schon in der ehemaligen 'Neu-Arischen Bewegung' eine führende Rolle gespielt hatte.

Erst 87 Jahre später traf eine Patrouille der Raumgarde auf fremde, bewaffnete Raumschiffe und wurde mit diesen in ein Gefecht verwickelt. Danach stellte sich heraus, dass die Gefolgsleute von John Rodal im Sternhaufen M-57 (Sternbild Lyra) ein Sonnensystem mit einem erdähnlichen Planeten gefunden hatten, auf dem sie überleben und ein Staatssystem nach ihren Vorstellungen errichten konnten.

Als sie von der Raumgarde wiederentdeckt wurden, hatten die "Rodaler" bereits mehrere benachbarte Sonnensysteme unter ihre Kontrolle gebracht und waren damit zu einer ernstzunehmenden Macht in der bekannten Galaxis geworden, die heute als "Rodalisches Imperium" bekannt ist.

Einer der Planeten, die von den Rodalern in Besitz genommen wurde, ist die Heimat einer halbintelligenten hominiden Lebensform, deren Entwicklungsstand dem des Cromagnon-Menschen der Erd-Vergangenheit entspricht. Diese Hominiden-Rasse (Register-Bezeichnung = "Cromins") wurde von den Rodalern rücksichtslos versklavt und dient ihnen seither als fast unerschöpfliches Reservoir an billigen Arbeitskräften.

Das Rodalische Imperium verfügt über eine schlagkräftige Kriegsraumflotte, die im ersten interstellaren Krieg gegen die Kolonien der terranischen Föderation eingesetzt wurde und nur mit größten Mühen von der Raumgarde zurückgeschlagen werden konnte.

Zusatz:

Die terranische Föderation unterhält offiziell keine diplomatischen Beziehungen zum rodalischen Imperium......."

 

 

Taran Barkas und Tascha Kaneda kamen an Bord ihrer Raumjacht mit dem klingenden Namen STERNENROSE ins Kelja-System.

Taran Barkas war ein Top-Agent des Dezernat-GS im Range eines Tribuns und galt als Spezialist für besonders heikle Fälle. In seiner Tarn-Identität als  interstellarer Freihändler und Spieler war er auf fast allen von Menschen besiedelten Welten bekannt wie ein bunter Hund. Er genoss den zweifelhaften Ruf, bei seinen Geschäften keine Skrupel zu kennen und auch mit illegalen Waren zu handeln.

Nur auf diese Weise war es ihm möglich, auch Kontakte mit Leuten zu pflegen, die sich außerhalb aller Gesetze bewegten und aus diesem Grund auch äußerst misstrauisch waren.

Seine Partnerin Tascha Kaneda war eine Tamarin-Amazone, die als Söldnerin in terranischen Diensten stand und zu den besten Raumpilotinnen der bekannten Galaxis zählte.

In der Regel waren die Tamarin-Amazonen in der terranischen Föderation nicht besonders gern gesehen, denn wie die Randwelten-Nomaden machten sie die Handelsrouten der besiedelten Galaxis immer wieder als gefürchtete Raumpiratinnen unsicher.

Allerdings galten sie auch als gute Kämpferinnen und waren daher als Söldner auf manchen Welten sehr gefragt.

 

Agenten wie Taran Barkas wurden vom Dezernat-GS vor allem dann eingesetzt, wenn es darum ging, unangenehme Zeitgenossen zu beseitigen oder zumindest unschädlich zu machen.

Bei dieser Mission wollte er zunächst den neuen Machthabern eine Schiffladung Waffen anbieten, die er einige Wochen zuvor bei einem Hehler der interstellaren Verbrecherorganisation "Khonaza" erworben hatte.

Er hoffte, auf diese Weise das Vertrauen der Putschisten gewinnen zu können, so dass er irgendwie an den Diktator herankommen konnte. Sein weiteres Vorgehen hatte Taran Barkas noch nicht geplant, denn es gehörte zu seinen Eigenschaften, seine Aktivitäten immer den jeweiligen Situationen anzupassen.....

 

 

    "Gehen Sie auf Landeleitstrahl Neun", plärrte die Stimme des Fluglotsen aus dem Lautsprecher an Bord der STERNENROSE, die gerade den Orbit verlassen hatte und in die Atmosphäre von Gelsha-Kelja eintauchte.

Auf dem Bildschirm über dem Steuerpult zeichnete sich ein Ausschnitt der Planetenoberfläche ab. Ein kleinerer Monitor zeigte ein Fadenkreuz, in dessen Zentrum ein leuchtender roter Punkt zu sehen war. Solange der Punkt im Zentrum des Fadenkreuzes blieb, befand sich die Raumjacht direkt auf dem Kurs des Landeleitstrahles.

Der silbergraue Diskus-Raumer fegte mit hoher Geschwindigkeit durch die Atmosphäre des Planeten und schien fast abzustürzen. Aber die Pilotin am Steuerpult verzog keine Miene, ihre Bewegungen waren ruhig, abgezirkelt und absolut sicher. Sie verstand ihr Handwerk und hatte sogar auf die Zuhilfenahme des Bordcomputers beim Landemanöver verzichtet.

Als das schmutziggraue Landefeld unter ihnen auftauchte, brachte sie den Diskusraumer glatt und sicher nach unten und fuhr die Landestützen aus, die kurz darauf federnd auf dem Plastikbeton aufsetzten.

Taran Barkas gab die Landemeldung an die Kontrollstation durch, während er über die Außenkameras verfolgte, wie ein schnelles Fahrzeug vom Hauptgebäude des Raumflughafens auf die STERNENROSE zukam.

Die Pilotin erhob sich und reckte ihren wohlgeformten atlethischen Körper.

 

    "Du solltest dir etwas anziehen, Tascha", meinte Taran grinsend, "Oder willst du, dass den Keljanern die Augen aus dem Kopf fallen?"

 

Die dunkelhaarige Frau, die bis auf ihren Waffengurt völlig unbekleidet war, lächelte und sprach: "Es würde mir sehr viel Spaß machen, ein paar Arme zu brechen, falls die keljanischen Männer ihre Hände nicht bei sich behalten können."

 

    "Ich weiß," meinte Taran und hielt ihr einen Kombi-Anzug hin, "Deshalb gibt es jetzt auf Cygnus-8 auch ein paar Eunuchen mehr als vor unserem letzten Besuch. Aber ich will hier nicht sofort unangenehm auffallen, also solltest du deine weiblichen Reize hier nicht zu provokativ zur Schau stellen."

 

    "Schade", meinte sie bedauernd, warf den Anzug zur Seite und zog sich stattdessen eine ihrer eigenen hautengen Kombinationen über, "Du gönnst mir auch nicht den kleinsten Spaß."

 

Er setzte ein breites Grinsen auf und holte aus einem der Wandfächer einen Waffengurt, in dem ein langläufiger Handlaser steckte. Der Griff der Waffe war mit Diamanten besetzt, die im Licht der Bordbeleuchtung in allen Farben des Spektrums funkelten.

 

    "Lass' uns hinausgehen," meinte er, "Wir wollen unsere Kunden schließlich nicht warten lassen."

 

 

Das computergesteuerte Abhol-Fahrzeug brachte sie zum Abfertigungstrakt des riesigen Gebäudekomplexes, in dem die Verwaltungs- und Kontrolleinrichtungen des Raumhafens untergebracht waren.

 

Als Taran Barkas dem Kontrollbeamten seinen Ausweis zeigen wollte, winkte dieser lächelnd ab: "Schon gut, Mister Barkas. Ihr Gesicht ist überall in der Galaxis bekannt. Außerdem sind Sie und Ihre Pilotin Gäste der Regierung. Sie können passieren."

 

Taran grinste und steckte dem Mann einen 100-Intercredit-Schein in die Brusttasche der Uniformjacke.

    "Gönnen Sie sich einen netten Abend auf meine Kosten", murmelte er beiläufig und ging mit Tascha weiter zum Hauptausgang, wo sie in ein Schwebetaxi einstiegen, das sie auf direktem Wege zum besten und teuersten Hotel auf dem Planeten brachte.

 

Von früheren Besuchen auf Gelsha-Kelja wusste Taran, dass es sich in unmittelbarer Nachbarschaft der königlichen Residenz befand, was seinen Plänen natürlich sehr entgegen kam. Außerdem lagen auch die Gebäudekomplexe der Botschaften ganz in der Nähe, so dass sich vielleicht die Gelegenheit bot, unbemerkt mit Botschafterin Dupont Kontakt aufzu-nehmen.

 

Im Hotel, das den stolzen Namen "Royals Home" trug, mietete der Freihändler gleich einen ganzen Seitenflügel mit neun Zimmern, einem Swimming Pool und einer komfortablen Sauna. Natürlich war Taran Barkas dabei nicht besonders sparsam mit der Verteilung von Trinkgeldern für das Hotelpersonal.

Schließlich gehörten sein sprichwörtlicher Reichtum und seine verschwenderische Großzügigkeit zu seiner Tarnung und Taran bemühte sich immer nach Kräften, seinem Ruf als genuss- und verschwendungssüchtiger Spieler und Händler gerecht zu werden.......

So war es für ihn selbstverständlich, dass er noch am selben Abend das hoteleigene Spielkasino besuchte, wo er beim Roulette vierzigtausend Intercredits gewann, von denen er innerhalb einer einzigen Stunde fast dreißigtausend wieder verlor. Damit hatte er auf seine unnachahmliche Weise dafür gesorgt, dass jetzt bald jeder auf dem Planeten wissen würde, dass Taran Barkas auf Gelsha-Kelja gelandet war.....

 

 

Mit einem eigens für solche Zwecke konstruiertem Scanner hatte sich Tascha Kaneda davon überzeugt, dass in ihren Hotelzimmern keine Mikrokameras oder Abhörgeräte in Form von Insekten oder ähnlichen unauffälligen Dingen deponiert worden waren.

In der Zwischenzeit nahm Taran ein Bad und machte es sich danach vor dem Dreidimensional-Bildschirm des Televisors bequem.  Aber er kam nicht mehr dazu, die Erzeugnisse der hiesigen Film- und TV-Branche zu begutachten, denn in diesem Moment summte der Türmelder.

Während Taran aufstand und zur Tür ging, schnappte sich Tascha ihren Waffengurt und verschwand in einem Nebenzimmer, wo sie hinter der Tür Stellung bezog, um im Bedarfsfall schnell eingreifen zu können.

Draußen standen zwei Männer in dunklen, nach der hiesigen Mode geschnittenen Anzügen, deren Gesichter durch stark getönte Schutzbrillen fast unkenntlich gemacht wurden.

 

    "Kommen Sie 'rein", forderte der Freihändler die beiden dubiosen Gestalten auf.

Diese ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie traten ein und bauten sich in der Mitte des Zimmers auf.

 

    "Was wünschen Sie, meine Herren?" fragte Taran die beiden mit beinahe übertriebener Freundlichkeit, "Das Hotel ist äußerst empfehlenswert, das hiesige Wetter ist einfach herrlich, meine Laune ist seit Ihrem Eintreffen natürlich weniger herrlich und...."

    "Sie reden zuviel, Barkas", unterbrach ihn einer der beiden mürrisch.

 

Es schienen keine Keljaner zu sein, und irgendwie hatte Taran den Eindruck, dass die Bräune ihrer Gesichter künstlich erzeugt worden war. Auch ihre extrem kurz geschnittenen Haare schienen gefärbt zu sein.

Offensichtlich legten die beiden Wert darauf, nicht sofort als Außerplanetarier erkannt zu werden. Allerdings war ihre Maskerade geradezu schlampig gemacht und konnte das geschulte Auge eines Geheimagenten kaum täuschen.

 

    "Wir haben Ihnen ein Angebot zu machen," sprach einer der beiden und kaum ohne Umschweife zur Sache, "Es ist uns bekannt, dass Sie eine Schiffsladung von hochmodernen Energiewaffen bei der Khonaza erworben haben, die Sie hier an die Machthaber verkaufen wollen."

    "Sie sind offensichtlich gut informiert", meinte Taran mit gespielter Überraschung.

    "Wir kennen Ihren Ruf, Barkas", kam der Mann zurück, "Und wir wissen, dass es Ihnen gleichgültig sein kann, wem Sie Ihre Ladung verkaufen. Aus diesem Grunde kommen wir zu ihnen. Wir wollen nämlich, dass Sie die Waffen nicht an die neuen Machthaber, sondern an die Rebellen im Untergrund verkaufen. Natürlich werden wir ein solches Entgegenkommen entsprechend honorieren. Sie können sicher sein, dass sich Ihr Gewinn dadurch verdoppeln wird."

 

Taran setzte einen möglichst nichtssagenden Gesichtsausdruck auf, damit die beiden seine Überraschung nicht bemerkten.

    "Sie wollen mich dafür bezahlen, dass ich meine Ladung an den Untergrund verkaufe?" fragte er, "Darf ich erfahren, was Sie damit bezwecken? Denn es ist für mich ganz offensichtlich, dass Sie auf keinen Fall zu den Rebellen gehören. Ich halte Sie eher für Rodaler. Und als solche dürften Sie eigentlich kaum Sympathien für die Rebellen haben."

 

Er musste eine Grinsen unterdrücken, als er an den Mienen der beiden erkannte, dass er mit seiner Vermutung voll ins Schwarze getroffen hatte. Offenbar stammten die beiden tatsächlich aus dem rodalischen Imperium.

Taran vermutete, dass es Offiziere des rodalischen Kriegsschiffes waren, das sich derzeit im Kelja-System aufhielt. Die Kunstbräune ihrer Gesichter sollte anscheinend die Blässe ihrer Haut verbergen, die bei hellhäutigen Menschen zwangsläufig durch längeren Aufenthalt an Bord eines Raumschiffes entstand, wo es schließlich keine natürliche Sonnenstrahlung gab.

 

    "Dafür sollten Sie sich besser nicht interessieren, Barkas," zischte ihn der zweite Mann gereizt an, "Und Sie sollten auch nicht allzu lange über unser Angebot nachdenken, sonst könnte das sehr unangenehme Folgen für Sie haben."

 

Aus den Augenwinkeln sah Taran, dass Tascha die angelehnte Tür des Nebenraumes leise öffnete und offenbar drauf und dran war, in das Geschehen einzugreifen.

Schnell gab er ihr durch ein unauffälliges Fingerzeichen zu verstehen, dass sie sich zurückhalten solle, denn im Moment hatte er kein Interesse daran, die Situation zu verschärfen.

 

    "Drohungen haben mich bislang nur selten beeindruckt," sprach er zu den beiden Rodalern, "Aber ich muss zugeben, dass Ihr Angebot ziemlich interessant ist. Dabei gibt es jedoch ein kleines Problem."

    "Und das wäre?" erkundigte sich der erste der beiden.

    "Ich habe keine Verbindungen zum hiesigen Untergrund," erklärte Taran, "und weiß deshalb nicht, wie ich den Rebellen meine Ware anbieten soll."

    "Keine Sorge," lautete die Antwort, "Wir werden den Kontakt für Sie herstellen. Morgen wird sich jemand aus dem Untergrund mit Ihnen in Verbindung setzen. Alles weitere ergibt sich dann von selbst. Sobald das Geschäft abgewickelt ist, bekommen Sie von uns ein Honorar von 3 Millionen Intercredits. Das dürfte auch für einen Mann Ihres Schlages ein recht lohnendes Geschäft sein, zumal Ihnen dadurch keine zusätzlichen Kosten entstehen."

 

Damit war die Unterredung beendet.

Die beiden Männer verließen das Hotelzimmer ohne sich zu verabschieden......

 

 

    "Warum wollen die Rodaler, dass wir den Rebellen unsere Waffen verkaufen?" wunderte sich Tascha, "Damit schwächen sie doch die Position ihrer eigenen Verbündeten? Das ergibt doch keinen Sinn!"

    "Ich glaube zu wissen, was die Rodaler damit erreichen wollen," meinte Taran nachdenklich, "Sie wollen, dass es zu neuen Kämpfen kommt, damit sie einen Grund haben, hier mit ihren Truppen einzugreifen. Und wenn sie erst einmal ihre Soldaten hier stationiert haben, werden sie diese bestimmt nicht so schnell wieder abziehen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich hier noch keine einzige rodalische Uniform gesehen habe, obwohl die Rodaler doch mit den neuen Machthabern verbündet sind. Es sieht ganz so aus, als hätte der neue Diktator kein Interesse daran, hier fremde Truppen landen zu lassen, auch wenn es sich dabei um Verbündete handelt."

    "Du meinst, dass Diktator Bespan seinen rodalischen 'Freunden' nicht vertraut?" fragte Tascha.

    "Genau," nickte Taran, "Vielleicht sind die Putschisten und die Rodaler doch nicht so dicke Freunde, wie sie vorgeben."

    "Diese Entwicklung der Dinge bringt uns aber in gewisse Entscheidungsschwierigkeiten," überlegte die Tamarin, "Wenn wir die Waffen an die Putschisten verhökern, haben wir die Rodaler am Halse. Aber wenn die Rebellen unsere Waffen bekommen, passiert vielleicht genau das, was die Rodaler wollen."

    "Also müssen wir irgendwie eine Möglichkeit finden, mit der wir dieses Dilemma umgehen können," meinte der Freihändler, "Denn selbst wenn es mir gelingt, den Diktator und seine engsten Vertrauten zu eliminieren, ist damit noch lange nicht die Gefahr einer rodalischen Okkupation gebannt."

    "Wir dürfen den Rodalern auf keinen Fall irgendeinen Vorwand liefern, hier mit ihren Truppen zu landen," sprach Tascha mit eindringlichem Unterton, "Im Zweifelsfall muss die Waffenladung vernichtet werden."

    "Für eine solch' drastische Maßnahme ist es noch ein wenig zu früh," winkte Taran ab, "Warten wir erst einmal ab, ob und wie der Kontakt mit den Rebellen zustande kommt. Dann werden wir weitersehen."

 

 

Wenn Taran Barkas geglaubt hatte, nun den Rest der Nacht ungestört verbringen zu können, so sah er sich darin getäuscht. Denn schon eine halbe Stunde nach dem Besuch der beiden Rodaler summte wieder der Türmelder.

Tascha bezog sofort wieder Stellung im Nebenraum, während Taran abermals die Tür öffnete, um den späten Besuch in Augenschein zu nehmen.

Draußen stand eine Frau in der rotgoldenen Uniform eines Hotelbediensteten, die einen Servierwagen vor sich herschob, welcher mit einer üppig anmutenden Früchtetafel beladen war.

    "Service des Hauses, Mister Barkas," sprach die Frau, "Die Leitung des Hotels schickt Ihnen dies als kleine Aufmerksamkeit."

Noch bevor Taran das Angebot dankend ablehnen konnte, wurde der Servierwagen schon an ihm vorbei in das Zimmer geschoben, wobei die scheinbare Hotelbedienstete die Tür schnell hinter sich schloss.

    "Können wir ungestört reden?" wurde Taran im Flüsterton gefragt, worauf er bestätigend nickte.

Daraufhin nahm die Gestalt ihre zur Hoteluniform gehörende Schirmmütze ab, die einen Teil ihres Gesichtes und ihre langen, blonden Haare verborgen hatte.

    "Botschafterin Dupont!" entfuhr es dem überraschten Freihändler, "Sie hätte ich zu dieser Zeit nicht hier erwartet."

    "Ich weiß erst seit ein paar Stunden von Ihrer Anwesenheit auf Gelsha-Kelja," sprach sie, "Und ich gehe davon aus, dass Sie von Hamblin hergeschickt wurden. Deshalb ist es wichtig, dass wir miteinander reden, bevor Ihr Einsatz in einer Katastrophe endet."

    "Welche Katastrophe wäre denn zu erwarten?" fragte Tascha Kaneda, die jetzt wieder aus dem Nebenraum zurückkam.

    "Ich spreche von einer Okkupation der Kelja-Planeten durch rodalische Raumlandetruppen", erklärte die Botschafterin, während sie sich in einem der bequemen Sessel niederließ, "Ich weiß, dass Sie vor wenigen Minuten überraschenden Besuch hatten und gehe davon aus,, dass Sie wissen, mit welchen Leuten Sie tun hatten."

    "Mir ist klar, dass es Rodaler waren", meinte Taran Barkas, "Sie verlangten, dass ich meine Waffenladung an den Untergrund verkaufe. Ich vermute, dass Sie sich damit einen Vorwand schaffen wollen, um hier mit Truppen landen zu können."

    "Genauso ist es", bestätigte Roseanne Dupont seine Befürchtungen, "Aber es ist so gut wie sicher, dass die Königstreuen diese Waffen niemals erhalten werden."

    "Das müssen Sie mir genauer erklären", forderte der Freihändler die Botschafterin auf.

    "Es ist eigentlich ganz einfach", sprach sie, "General Bespans Machtstellung ist nicht ganz so gefestigt, wie es den Anschein hat. Es ist ihm zwar zunächst gelungen, den ersten Widerstand gegen seine Machtübernahme niederzuschlagen, aber inzwischen kann er sich nicht mehr auf seine Milizen verlassen. Er war sogar gezwungen, den Rest der ehemaligen königlichen Garde entwaffnen und unter Hausarrest stellen zu lassen. Seine Residenz wird jetzt ausschließlich von Einheiten der Miliz bewacht, die schon vor dem Putsch unter seinem Kommando standen. Alle anderen Einheiten der Miliz sind Bespan wohl nicht mehr zuverlässig genug, seit bekannt geworden ist, dass Prinz Relyk bei den Rebellen ist und Anspruch auf die rechtmäßige Nachfolge seines ermordeten Vaters erhebt."

    "Der Prinz konnte in den Untergrund entkommen?" wunderte sich die Tamarin-Amazone, "Bespans Gefolgsleute müssen Dilettanten sein."

    "Aber es ist so", sprach die Botschafterin weiter, "Und mit dem Prinzen ist mehr als die Hälfte der königlichen Garde gegangen, die jetzt den Kern der Untergrund-Armee bildet."

    "Aber warum glauben Sie, dass die Königstreuen meine Ladung nicht bekommen werden?" wollte Taran wissen, "Die Rodaler sagten, dass morgen jemand aus dem Untergrund mit mir Kontakt aufnehmen wird."

    "Das wird jemand sein, der von den Rodalern dafür bezahlt wird," antwortete die Botschafterin, "Wir wissen, dass es eine Truppe von Keljanern gibt, die im Dienst der Rodaler steht. Diese Kollaborateure sollen mit Ihren Waffen ausgerüstet werden und damit den Regierungspalast stürmen. Sobald das geschieht, werden die Rodaler der Regierung natürlich 'zu Hilfe' kommen und die Kelja-Planeten besetzen. Ob General Bespan das überleben wird oder ob er danach nur noch eine rodalische Marionette ist, bleibt abzuwarten."

    "Dann bleibt uns doch wohl nichts anderes übrig, als die Waffen so schnell wie möglich zu vernichten," murmelte Tascha Kaneda.

    "Haben Sie denn die Ladung noch an Bord Ihres Schiffes?" wollte die Botschafterin wissen.

    "Ja," antwortete Taran, "Aber sie ist gut gegen unbefugten Zugriff gesichert. Sobald jemand versucht, an Bord der STERNENROSE zu kommen, wird sofort ein Alarmstart ausgelöst."

    "Gut," meinte Roseanne Dupont, "Dann schlage ich vor, dass Sie die Ladung den Kollaborateuren überlassen."

    "Wie bitte?" wunderte sich Tascha Kaneda, "Aber dann arbeiten wir doch den Rodalern in die Hände!"

    "Nicht, wenn die Waffen vorher präpariert wurden," antwortete die Dupont.

    "Und wie sollen wir zweitausend verpackte Energiewerfer bis morgen früh präparieren?" wollte Taran Barkas wissen.

    "Sie haben die Waffen doch von der Khonaza gekauft, nicht wahr?" fragte die Botschafterin zurück.

    "Ja natürlich," sprach der Freihändler, "Wo hätte ich denn sonst eine illegale Waffenladung her bekommen sollen?"

    "Dann sind die Waffen bereits präpariert," erklärte die Dupont, "In jedem der Energiewerfer ist eine Silizium-Schaltung eingebaut, die mit einem bestimmten Code per Funk aktiviert werden kann. Danach sind die Waffen funktionsunfähig. Auf diese Weise stellt die Khonaza sicher, dass die von ihr gekauften Waffen nicht gegen ihre eigene Organisation eingesetzt werden können. Aber seit kurzem ist dem Dezernat-GS die Codierung für das spezielle Funksignal  bekannt. Lordprotektor Hamblin hat mir den Code vor zwei Tagen durch einen Geheimkurier übermitteln lassen."

    "Das heißt also, dass wir in der Lage wären, die Waffen zu deaktivieren?" fragte der Freihändler.

    "Genau so ist es," bestätigte die Botschafterin seine Vermutung mit einem verschmitzten Grinsen.

 

 

Die Regierungsabordnung kam ziemlich früh am nächsten Morgen, als Tascha und Taran noch dabei waren, ihr Frühstück im Restaurant des Hotels einzunehmen.

Die Abordnung bestand aus einem Miliz-Offizier, der sich als Major Genshin vorstellte, und zwei zivilen Beamten, die sich jedoch während der gesamten Dauer der kurzen Unterredung nicht zu Wort meldeten und sich betont im Hintergrund hielten.

Da Taran Barkas natürlich nicht zeigen konnte, dass er mittlerweile kein Interesse mehr daran hatte, seine Waffenladung an die Regierung zu verkaufen, handelte er mit dem Major ein weiteres Treffen an Bord seiner Raumjacht aus, wo die Ware begutachtet und danach übergeben werden sollte.

Doch als die Unterredung gerade beendet war, schob der Offizier dem Freihändler eine kleine Plastikkarte zu, die Barkas schnell im Ärmelaufschlag seiner Jacke verschwinden ließ.

Nachdem die Abordnung verschwunden war, begaben sich Taran und Tascha wieder in ihre Unterkunft, denn Taran wollte es nicht riskieren, beim Lesen der geheimen Nachricht beobachtet zu werden.

Er war nicht besonders überrascht, als er die winzige Schrift auf der kleinen Karte entzifferte:

    "Übergeben Sie die Ladung morgen an das Abhol-Kommando der Miliz. Es wird anschließend dafür gesorgt, dass Ihre Geschäftspartner die Waffen wie abgesprochen erhalten. Sobald die Operation durchgeführt wurde, erhalten Sie die Vergütung für Ihr Entgegenkommen."

 

 

Eine Stunde nach der Übergabe Ihrer Ladung an das Abholkommando der Regierung erfuhren Tascha und Taran, dass die Rebellen den Konvoi auf dem Weg zum Regierungssitz überfallen hatten, wobei es ihnen gelungen war, sämtliche Waffen zu erbeuten.

Den beiden Agenten war klar, dass sich die Waffen jetzt in den Händen der Kollaborateure befanden.

Ein Hotelpage überbrachte ihnen eine verschlüsselte Nachricht von Botschafterin Dupont, in der ihnen geraten wurde, Gelsha-Kelja so schnell wie möglich zu verlassen.

Um den Schein zu waren, ließ sich Taran Barkas über die hoteleigene Kommunikationsanlage mit dem Sekretär der keljanischen Regierung verbinden, um die Bezahlung für seine Waffenladung zu verlangen.

Und wie es der Freihändler bereits erwartet hatte, teilte ihm der Regierungsbeamte mit, dass die keljanische Regierung nicht gewillt sei, eine Ware zu bezahlen, die nicht in ihren Besitz gelangt sei.

Als Taran Barkas dagegen protestierte, wurde ihm unverblümt mitgeteilt, dass er auf Gelsha-Kelja nicht länger erwünscht sei und er deshalb den Planeten so bald wie möglich verlassen sollte.

 

    "Eine überaus bequeme Art, seine Gläubiger loszuwerden," murmelte Tascha Kaneda, nachdem Taran die Verbindung unterbrochen hatte, "Aber so brauchen wir wenigstens keinen Vorwand erfinden, um unsere plötzliche Abreise zu begründen."

    "Uns kann es nur recht sein," meinte Taran, "Also lass' uns hier verschwinden. Alles weitere müssen wir jetzt Botschafterin Dupont überlassen."

 

Eine Stunde später startete die STERNENROSE und raste in den freien Raum hinaus......

 

 

        "Heerführer Shedom an Kommandant Thurasin," erklang die Stimme des rodalischen Militärattachés aus dem Lautsprecher der Funkanlage, auf deren Bildschirm sein Gesicht zu sehen war, "Die Operation steht unmittelbar bevor. Sind Ihre Landetruppen einsatzbereit."

        "Alle Landefähren sind besetzt und einsatzbereit," antwortete Khaleb Thurasin, seines Zeichens Kommandant des rodalischen Schlachtschiffes, das derzeit in der Nähe eines Asteroidenfeldes am Rande des Kelja-Sonnensystems in relativer Bewegungslosigkeit wartete.

        "Warten Sie auf meinen Einsatzbefehl," sprach Chasar Shedom, "Sobald unsere Hilfstruppe sich dem Regierungssitz nähert, nehmen Sie auf mein Kommando mit Ihrem Schiff Kurs auf Gelsha-Kelja und schleusen so schnell wie möglich alle Landefähren mit unseren Truppen aus. Ein Teil der Landetruppen stellt sich den Angreifern entgegen, der Hauptteil besetzt unverzüglich das gesamte Regierungsviertel. Die keljanischen Milizen werden nichts dagegen unternehmen, solange sie glauben, dass wir ihnen gegen die Rebellen zu Hilfe kommen. Die Kampfgruppenführer müssen besonders darauf achten, dass sofort alle Schlüsselpositionen besetzt werden, damit wir General Bespans Milizen schnell ausschalten können. Haben Sie alles verstanden?"

        "Jawohl, Heerführer," antwortete Thurasin, "Alles ist bereit. Ich warte nur noch auf Ihren Einsatzbefehl."

 

Plötzlich heulten die Alarmsirenen des Schiffes auf.

 

    "Achtung! Fünf fremde Kampfschiffe nähern sich unserer Position! Hohes Energiepotential wird gemessen. Vermutlich sind es voll aufgeladene Waffensysteme!"

    "Abwehrschirme hochfahren!" gellte die Stimme des 1.Offiziers durch die Zentrale, "Sofort volle Feuerbereitschaft herstellen. Warten auf Feuerbefehl!"

        "Was ist denn bei Ihnen da oben los?" wollte Chasar Shedom wissen, der das Geschehen an Bord des Raumschiffes an seiner Funkanlage miterlebte.

        "Wir werden angegriffen, Heerführer!" rief der Kommandant, "Fünf fremde Schiffe. Sie müssen sich im Asteroidenfeld versteckt gehalten haben."

        "Sind es Föderationsschiffe?" fragte der Militärattaché aufgeregt.

        "Nein," antwortete der Kommandant hastig, "Es scheint sich um Schiffe der Tamarin-Amazonen zu handeln. Größe entspricht der Planetenklasse. Sie eröffnen das Feuer auf uns.....!!!"

 

Die äußere Panzerung des rodalischen Schlachtschiffes wurde von mehreren Treffern erschüttert, deren kinetische und elektrische Energie nicht vollständig von den elektromagnetischen Schirmfeldern absorbiert werden konnte. Im gleichen Augenblick riss die Funkverbindung mit Chasar Shedom ab.

 

    "Feuer frei!" brüllte der 1.Offizier.

Aus den Mündungen der Energiekanonen rasten mehrere turmdicke Strahlen, deren gleißendes Licht in den Augen brannte. Eines der angreifenden Schiffe wurde getroffen und aus der Bahn geworfen, ohne jedoch ernsthaft beschädigt zu werden, da seine Abwehrschirme den Großteil der Thermo-Energie absorbieren konnten.

Dann drehten die delta-förmigen Tamarin-Schiffe ab, um sich in einiger Entfernung wieder für eine erneute Attacke zu formieren. Jetzt zündeten die Triebwerke des rodalischen Schlachtschiffes, das nun direkten Kurs auf die Angreifer nahm und zum Gegenangriff überging....

.....und während am Rande des keljanischen Sonnensystems ein Raumgefecht tobte, starteten die ahnungslosen Helfershelfer der Rodaler ihren Überfall auf den Regierungssitz von Gelsha-Kelja.

Militärattaché Chasar Shedom war nicht mehr in der Lage, das sich jetzt vor seinen Augen abzuspielende Debakel zu verhindern....... 

 

 

2.Oktober 2291- Erdstandardzeit.

Mitteilung an die Oberste Administration der terranischen Föderation:

    "Am   19. September 2291 hat Prinz Relyk als rechtmäßiger Thronfolger die Regierungsgeschäfte als neues Staatsoberhaupt des Kelja-Reiches übernommen, nachdem es ihm mit Hilfe königstreuer Milizen gelungen war, den Regierungssitz von Gelsha-Kelja  zu befreien.

Der Regierungssitz war für einige Stunden von Terroristen erobert worden, die von rodalischen Agenten befehligt wurden. Bei dem Überfall der Terroristen wurden General Bespan und seine gesamte Gefolgschaft getötet.

In seiner Eigenschaft als rechtmäßiges Staatsoberhaupt hat Prinz Relyk alle Angehörigen des rodalischen Reiches zum Verlassen des Kelja-Systems aufgefordert und die Regierung der terranischen Föderation um die Entsendung von Kampfraumschiffen zum Schutz der Kelja-Planeten vor interstellaren Terroristen gebeten. Die Regierung hat diesem Hilfe-Ersuchen zugestimmt und die Raumgarde beauftragt, entsprechende Schritte einzuleiten.

Beim Eintreffen der entsendeten Trägerschlachtschiffe im Kelja-System wurden keine fremden Raumschiffe mehr dort angetroffen, so dass keine weiteren militärischen Operationen notwendig wurden.

Prinz Relyk hat den Antrag gestellt, das Kelja-Reich als neues, selbständiges Mitglied in die Föderation aufzunehmen. Dieser Antrag wird zur Zeit im Senat wohlwollend geprüft. Mit einem offiziellen Beitritt der Kelja-Planeten in die terranische Föderation ist in Kürze zu rechnen......"

 

 

        "Könnten Sie mir verraten, woher Sie so schnell fünf tamarinische Kampfraumschiffe auftreiben konnten?" fragte Lordadmiral Hawkstone den Chef des Geheimdienstes, der es sich gerade vor dem Kamin des Offiziers-Casinos bequem gemacht hatte.

        "Das war nicht besonders schwierig," meinte Jeffrey Hamblin, während er  sorgfältig seine Pfeife stopfte, "Nachdem Taran Barkas mich über die Situation informiert hatte, habe ich mich mit einigen Leuten in Verbindung gesetzt und sie wissen lassen, dass ich ein paar kampfstarke Söldnerschiffe brauchte, die einen gut bezahlten Auftrag erledigen sollten."

        "Sie haben also die Tamarin angeworben, damit sie das rodalische Schiff angreifen," stellte Hawkstone fest und nahm einen kleinen Schluck aus seinem Whiskey-Glas.

        "Die Tamarin-Amazonen sind die besten Söldner, die man für Geld kriegen kann," nickte Hamblin, "Sie sind uns zwar nicht besonders gut gesonnen, aber da der Auftrag verdammt gut bezahlt wurde, war es nicht allzu schwer, ein paar ihrer Schiffe anzuwerben. Wie Sie wissen, haben sie das rodalische Schiff in ein Gefecht verwickelt und solange daran gehindert, Landetruppen nach Gelsha-Kelja zu bringen, bis die Lage auf dem Planeten geklärt war. Wenn wir den Angriff mit unseren eigenen Schiffen durchgeführt hätten, wäre das eine offene Kriegserklärung an das rodalische Reich gewesen und genau das wollten wir ja um jeden Preis vermeiden."

        "Und woher wussten die Tamarin, wann sie das rodalische Schiff angreifen mussten?"

        "Taran Barkas überbrachte mir eine Nachricht von Botschafterin Dupont, in der ein verschlüsseltes Funksignal vereinbart wurde, durch das wir genau erfahren konnten, wann der Regierungssitz von den Kollanborateuren angegriffen wurde. Die Tamarin brauchten nur auf dieses Signal zu warten, um dann das rodalische Schiff zu attackieren. Die einzige Schwierigkeit bestand darin, dafür zu sorgen, dass die Tamarin rechtzeitig im Kelja-System eintrafen. Wenn es den Rodalern gelungen wäre, mit ihren Truppen auf Gelsha-Kelja zu landen, hätte es dort leicht ein planetenumspannendes Blutbad geben können."

        "Sie sind ein verdammt großes Risiko eingegangen, Lordprotektor", meinte Hawkstone vorwurfsvoll, "Ein Risiko auf Kosten der Keljaner."

        "Das gehört zu meinem Job," antwortete Hamblin schulterzuckend, "Aber Sie können mir gewiss glauben, dass es mir keine Freude macht, solche Dinge zu tun."

 

 

Ende des 2. Bandes

 

 


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