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STAR-FORCE

Science-Fiction-Serie

von

Karl-Heinz R. Friedhoff

 

Band 1

 

Der

LEONIDAS-Zwischenfall

Einberufungsbescheid:

 

"Sehr geehrter Herr Larssen.
Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass Ihr bisheriger Status als Reserve-Offizier in ein aktives Dienstverhältnis umgewandelt wird.

Sie werden zum Pflichtdienst bei der Raumgarde einberufen.

Ihr aktives Dienstverhältnis beginnt am 1. März des laufenden Kalenderjahres.
An diesem Tag
  haben Sie sich  um 12.00 Uhr Standardzeit an der militärischen Kontrollstation des Raumflughafens El Paso (Texas) einzufinden.

Sie werden als Offizier im Rang eines Leutnants auf dem Schlachtschiff "LEONIDAS" unter dem Kommando von Oberst Ridey eingesetzt.

(Nach Ablauf der gesetzlichen Widerspruchsfrist von 30 Standardtagen nach Zustellung tritt dieser Bescheid in Kraft.)


gez. Distriktkommandant Chekow,
Rekrutierungsamt der Terranischen Föderation.

 

Robert Larssen starrte missmutig auf die Schriftfolie, die er im Postfach seiner Appartement-Wohnung gefunden hatte.

Jetzt war es also so weit. Die Raumgarde wartete auf ihn. Aber damit hatte er als Reserve-Offizier seit seiner Kadetten-Ausbildung eben rechnen müssen.

("Auf die LEONIDAS schicken sie mich also,") überlegte er, ("Ein schweres Schlachtschiff der Taktischen Raumverbände. Solche Großraumschiffe werden meist in den äußersten Operationsgebieten eingesetzt. Es sieht ganz danach aus, als würde ich in den nächsten Monaten ziemlich weit weg von zu Hause sein.")

 

Pünktlich zur angegebenen Zeit meldete sich Robert Larssen in seiner nagelneuen Leutnants-Uniform im Abfertigungsgebäude des Raumflughafens in El Paso.

Die Formalitäten dauerten nur ein paar Minuten, dann brachte ihn ein Wagen zur wartenden Landefähre, die ihn hinauf zur LEONIDAS bringen sollte, welche im Weltraum in der Nähe der Mondumlaufbahn wartete, denn Raumschiffe dieser Größe waren nicht in der Lage, auf der Oberfläche eines Planeten zu landen.

Als sich die Transportfähre der Mondumlaufbahn näherte, konnte Larssen das riesige Schlachtschiff in der samtenen Schwärze des Weltraumes schweben sehen. Der gewaltige Raumer verfügte über die beeindruckende Gesamtlänge von 1000 Metern. Aus dem Material eines solchen Giganten konnte man leicht eine ganze Stadt bauen. Larssen wusste, dass diese mächtigen Kampfschiffe mit den schwersten Waffen der Föderation bestückt waren und unter anderem auch über Transmissionsschleudern verfügten, den mächtigsten Waffen der terranischen Raumstreitkräfte.

Larssen war zwar nicht besonders begeistert von der Aussicht, die nächsten Monate irgendwo im Weltraum verbringen zu müssen, aber es freute ihn doch, dass er seinen Dienst auf einem Großraumschiff leisten konnte, das weitaus mehr Komfort zu bieten hatte als die kleinen, engräumigen Scout-Schiffe der Raumaufklärungsverbände (RAV), auf denen er früher seine Kadettenzeit verbracht hatte.

 

In der Einstiegsschleuse wartete ein Master-Sergeant, dem er sich als neues Besatzungsmitglied vorstellte.

Der Sergeant salutierte kurz und fast schon auffallend nachlässig.

"Leutnant Larssen, ich wurde angewiesen, Ihnen Ihren Aufgabenbereich vorzustellen. Sie sollen den Posten des Ortungs-Offiziers übernehmen. Sind Sie mit den Bordplänen eines Schlachtschiffes vertraut?"

"Ich werde mich schon zurechtfinden," meinte Larssen.

"Gut, dann zeige ich Ihnen zuerst mal Ihre Unterkunft. Danach müssen Sie sich in der Zentrale beim Kommandanten melden."

Seine Unterkunftskabine befand sich auf dem vorderen Mitteldeck und war nicht weit von der Kommandozentrale des Schiffes entfernt.

Sie war zwar nicht besonders groß, aber auch nicht zu klein für ihn. Larssen warf seine Tasche auf das Bett, rückte seine hellblaue Uniformjacke zurecht und machte sich dann auf den Weg zum Kommandanten.

Als er seine Kabine verließ, trat aus der gegenüberliegenden Tür eine bildhübsche, brünette Frau auf den Gang.

Als sie seiner ansichtig wurde, wandte sie sich an ihn und fragte: "Wissen Sie zufällig, wo ich in diesem Stahlberg den Kommandanten finde? Ich bin erst vor drei Stunden an Bord gekommen und bin zum ersten Mal auf einem Schlachtschiff."

Er musterte ihre enganliegende Leutnants-Uniform, die sie mit einer Lässigkeit trug, welche ihm fast den Atem verschlug. Sie hatte die vier obersten Knöpfe ihrer Jacke offengelassen, wodurch unschwer zu erkennen war, dass sie darunter  nichts als ihre Haut trug.

("Himmel und Hölle,") ging es ihm durch den Kopf, ("Was macht eine solche Schönheit auf einem Schlachtschiff der Raumgarde? Ich glaube, der Dienst auf diesem Schiff wird mir viel besser gefallen als ich dachte.")

"Ich bin auch gerade erst angekommen," antwortete er, "aber ich kenne mich mit den Bordplänen gut genug aus. Die Kommandozentrale ist ganz in der Nähe. Kommen Sie einfach mit mir."

In der Zentrale erwartete sie ein gewisser Major Thomsen, der sich ihnen als 1.Offizier der LEONIDAS vorstellte und sie wissen ließ, dass sich der Kommandant noch nicht an Bord befand.

Dann erklärte er ihnen, dass sie beide in der Raumortungsabteilung eingesetzt werden sollten. Dabei erfuhr Larssen, dass die Frau Thea Vardenis hieß und seine Stellvertreterin war.

Der Dienst auf diesem Schiff begann ihm mehr und mehr zu gefallen..... 

 

Die LEONIDAS befand sich jetzt seit fünf Monaten im interstellaren Raum und patrouillierte an der äußersten Grenze des terranischen Einflussbereiches nahe der Randzonen des galaktischen Spiralarmes, der als Sagittarius-Arm bezeichnet wurde.

Hier wurde das Rückzugs-Gebiet der Randwelten-Nomaden vermutet, die sich zusammen mit den Tamarin-Amazonen als Schmuggler und Raumpiraten betätigten und den Handelsgesellschaften der terranischen Föderation schon großen Schaden zugefügt hatten.

Doch in den letzten Monaten hatte die LEONIDAS weder ein Schiff der Nomaden noch eines der Tamarin geortet.

Entweder waren diese zur Zeit nicht besonders aktiv oder sie machten ihre Beutezüge jetzt in einem anderen Sektor des Orion-Armes, in dessen Zentrum sich das Einflussgebiet der terranischen Föderation befand.

Oberst Ridey war der Meinung, dass den Nomaden und Tamarin die Anwesenheit eines Föderationsschlachtschiffes in diesem Raumsektor bekannt war und sie sich deshalb hier nicht blicken ließen.

Eigentlich waren die Einsatzpläne der Raumgarde streng geheim, aber man konnte getrost davon ausgehen, dass es auch bei den militärischen Stäben genügend Lücken und Indiskretionen gab, durch die so mancher an Informationen gelangte, die nicht für ihn bestimmt waren.

Robert Larssen und Thea Vardenis hatten sich mittlerweile an den Borddienst gewöhnt, der ihnen schon zur Routine geworden war. Die beiden hatten sich inzwischen angefreundet und verbrachten auch privat viel Zeit miteinander, wenn sie zufälligerweise beide dienstfrei hatten, was allerdings zu ihrem Leidwesen viel zu selten vorkam. Schließlich waren sie beide Ortungsoffiziere und wenn einer von beiden frei hatte, musste der andere den Posten übernehmen.

Während der zurückliegenden Monate war nichts Ungewöhnliches geschehen, und es sah ganz so aus, als würde sich das auch in den nächsten vier Wochen nicht ändern. Danach sollte die LEONIDAS wieder in das solare Sonnensystem zurückkehren und dort in einer der Werften auf den Jupitermonden überholt werden.

Aber es kam alles ganz anders........

 

Am 23. September des Jahres 2289 war die LEONIDAS 340,4568 Lichtjahre vom Pulsar SCORPIUS-X-1 entfernt, der sich an der "inneren" Randzone des Orion-Spiralarmes befand und bewegte sich mit 20%iger Lichtgeschwindigkeit auf die Scorpion-Centaurus-Gruppe zu, von der sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch  1304,9854 Lichtjahre entfernt war.

Das Schlachtschiff sollte vier Tage später auf den schnellen Raumkreuzer "SRV-21-8" vom 21.Geschwader der schnellen Raumverbände treffen, der bis zum Eintreffen des Schlachtschiffs XERXES  in diesem Raumsektor patrouillieren sollte.

Um 14:23:18 Uhr Standardzeit erfasste die Raumortung ein Metallobjekt, das sich antriebsgetrieben mit annähernd gleicher Geschwindigkeit auf einer Flugbahn parallel zur LEONIDAS bewegte.

Leutnantin Vardenis, die gerade in der Ortungsabteilung Dienst hatte, ließ sofort Alarm auslösen.

Schon wenige Minuten später waren alle Alarmstationen auf der LEONIDAS besetzt und einsatzbereit.

Oberst Ridey, der zu diesem Zeitpunkt noch der Meinung war, es hier mit einem Schiff der Nomaden oder der Tamarin-Amazonen zu tun zu haben, ließ Kurs auf das fremde Raumobjekt nehmen.

"Welche Form hat das Fremdschiff?" wollte der Kommandant wissen.

"Noch nicht erkennbar," antwortete Thea Vardenis, "Wir müssen erst noch näher herankommen."

Die Funkzentrale sendete auf allen Frequenzen, um die Besatzung des fremden Schiffes aufzufordern, die Geschwindigkeit zu verringern und beizudrehen.

Aber das Fremdschiff antwortete auf keines der Rufsignale und machte auch keine Anstalten, seine Geschwindigkeit zu drosseln.

Ganz im Gegenteil - als sich die LEONIDAS dem Fremdschiff zu nähern begann, erhöhte dieses seine Geschwindigkeit noch und ging auf Fluchtkurs.

Die Verfolgungsjagd im Weltraum begann.........

 

"Energetisches Potential des Fremdschiffes beginnt zu steigen."

"Abwehrschirme aktivieren und Feuerbereitschaft herstellen", befahl der Kommandant, "Vielleicht machen sie jetzt ihre Waffen feuerbereit."

Doch dann war auf den Ortungsanzeigen zu erkennen, dass sich ein Energiefeld direkt vor dem Fremdschiff bildete, welches sich danach mit höherer Geschwindigkeit in Flugrichtung zu bewegen begann, sich schließlich von dem fremden Objekt löste und vor ihm her raste.

"Verdammt", rief der 1.Offizier plötzlich, "Seht doch! Die versuchen einen Hyperraum-Tunnel zu erzeugen. Vor denen entsteht gerade ein Raumtunnel - ein künstliches Black-Hole! Die haben einen Interdim-Antrieb!"

Der Interdimensionalantrieb war eine Weiterentwicklung des Transmitters, mit dem ein Raumschiff in der Lage war, sich selbst durch die Erzeugung von künstlichen "schwarzen Löchern" in den interdimensionalen Raum zu katapultieren und am vorausberechneten Zielpunkt wieder in das eigene Raum-Zeit-Kontinuum zurückzukehren. Auf diese Weise entstand für extrem kurze Zeit ein sogenannter Raumtunnel (auch "Wurmloch" genannt), durch den das Raumschiff hindurchrasen konnte, um irgendwo an einem anderen Punkt des Universums wieder herauszukommen. Nur auf diese Weise waren Raumschiffe überhaupt in der Lage, ungeheure Entfernungen praktisch in "Nullzeit" zurückzulegen, denn im interdimensionalen Raum hatten die Naturgesetze des "normalen" Universums keine Gültigkeit.

"Feuerleitung!" brüllte der Kommandant in das Visiophon der Bordkommunikation, "Koordinaten des Energiefeldes erfassen! Vordere Transmissionsschleuder bereit machen. Feuern Sie eine Thermobombe direkt in das Feld hinein, damit es zusammenbricht. Schnell, sonst entkommen sie uns!"

Mit Transmissionsschleudern konnte jedes Objekt in Nullzeit räumlich versetzt werden, indem das Objekt zuerst in seine molekularen Bestandteile aufgelöst und dann durch die fünfte Dimension, den so genannten "interdimensionalen Raum" (auch "Hyperraum" genannt) zum Zielort "gesendet" wurde. Die Reichweite einer Transmissionsschleuder war nahezu unendlich, die untere Grenze lag bei einigen Zentimetern, wobei jedoch eine Mindestdistanz von fünf Kilometern in der Raumgarde vorgeschrieben war, da "zu kurze" Transmissionen in der Vergangenheit zu katastrophalen Folgen geführt hatten.

Die Thermonuklear-Bombe explodierte mitten im Zentrum des Energiefeldes und löste es schlagartig auf. Die Wucht der Explosion reichte aus, das fremde Schiff aus seiner Flugbahn zu werfen, so dass es sich einmal um die eigene Achse drehte und dann in Schlangenlinien durch den Raum torkelte, bis es seine Flugbahn wieder stabilisieren konnte und erneut auf Fluchtkurs ging.

Inzwischen war die LEONIDAS nahe genug herangekommen, so dass man auf den Außenbildschirmen die Form des fremden Schiffes erkennen konnte.

Es bestand aus drei aneinandergereihten Kugeln, von denen jede einen Durchmesser von knapp 100 Metern hatte, so dass die Gesamtlänge des fremden Schiffes etwas mehr als 300 Metern betrug.

Leutnant Larssen ließ sofort die Speicherbänke des Schiffscomputers durchsuchen, um festzustellen, auf welcher der Kolonialwelten dieses Schiff gebaut worden war.

Aber bereits nach wenigen Minuten war klar, dass dieses fremde Raumschiff auf keiner von Menschen bewohnten Welt gebaut worden war.

Waren sie in diesem Raumsektor etwa auf eine fremde Macht gestoßen, die ebenfalls den interdimensionalen Raumflug beherrschte?

 

32 Stunden später hatte die LEONIDAS das fliehende Fremdschiff so weit eingeholt, dass es sich seitlich von ihm auf einer parallelen Flugbahn bewegen konnte. Dann befand sich das fremde Raumschiff in Torpedo-Reichweite.

"Magnet-Torpedos abfeuern!"

Wenige Sekunden später rasten die fast lichtschnellen Geschosse auf das Dreikugelschiff zu, stoppten kurz vor dem Aufprall ab und hefteten sich dann fest auf die metallene Außenhülle.

Jetzt konnte das Fremdschiff mit Elektro-Magnetfeldern festgehalten werden, denen die Torpedos als "Anker" dienten.

Die Fremden schienen keine Abwehrmöglichkeit gegen diese Maßnahme zu besitzen - zumindest unternahmen sie nichts, um sich aus den Fesseln des terranischen Schlachtschiffes zu befreien.

Das fremde Dreikugelschiff war gefangen.

"Gasaustritt am Fremdschiff," meldete Leutnant Larssen.

Auf den Bildschirmen war zu sehen, dass aus mehreren Öffnungen in der Hülle des Dreikugelschiffes jetzt helle Rauchwolken ausströmten, die sich jedoch schnell im Vakuum des Raumes verflüchtigten.

"Feuerleitung, zerstören Sie die Triebwerke!" befahl Oberst Ridey.

Eine fast turmdicke Energiebahn raste grellstrahlend durch die Schwärze des Raumes und brannte sich in das Hecktriebwerk des Dreikugelschiffes. Danach war es so gut wie manövrierunfähig.

"Andockmanöver einleiten!"

Die Magnetstrahlen zogen das fremde Schiff mit unwiderstehlicher Kraft an die LEONIDAS heran, die jetzt ihre Andockschleuse ausfuhr.

Das Ende des Teleskop-Rohres heftete sich auf die Metallhülle der mittleren Kugel und verband die beiden Raumschiffe fest miteinander.

"Enterkommando steht bereit!" meldete Hauptmann Terkins, der die an Bord befindliche Raumlandekompanie befehligte, welche an Bord des Fremdschiffes gehen sollte.

"Okay," meinte Oberst Ridey, "Dann entern Sie den Kahn. Aber dichten Sie die Schleusen ab, damit die Atmosphäre des Fremdschiffes nicht entweichen kann. Wir wollen schließlich die Besatzung da drüben nicht ersticken lassen."

"Aye, Sir," antwortete Terkins, gab seinen Gardisten den Befehl zum Ausstieg und ging dann selbst in die Andockröhre.

Die Laserschneider der Soldaten traten in Aktion. Funken prasselten in bläulichen Kaskaden auf und tanzten durch den schwerelosen Raum in der Andockröhre, in der keine künstliche Schwerkraft wie an Bord des Schlachtschiffes erzeugt werden konnte.

Der Rest des Enterkommandos stand mit schussbereiten Energiewerfern bereit.

Terkins überlegte bereits, wie er sich der fremden Besatzung verständlich machen konnte.

Die äußere Hülle des Dreikugelschiffes war durchschnitten, so dass Terkins die freigelegte innere Schicht untersuchen konnte.

So etwas hatte er noch nie gesehen. Obwohl die Wissenschaft der Fremden dieselben physikalischen Gesetze dieses Universums berücksichtigen musste, sah das Resultat im Detail doch ganz entschieden anders aus. Die Außenschicht war aus Metall, doch woraus bestand diese klebrige, harzige Substanz, die zwischen der äußeren und der inneren Metallhülle lag? War das eine Isolierschicht? Oder stellte es ein Energieleitsystem dar, das anstelle von Leitungen verwendet wurde?

Der letzte Widerstand gab nach und der innere Metallmantel war durchtrennt. Terkins blickte in die runde, schwarze Öffnung und versuchte etwas zu erkennen. Die Lichtkegel der Helmlampen trafen auf Metallgestänge und Aggregate, die irgendwie rund und organisch geformt zu sein schienen.

Von der Besatzung des Fremdschiffes war nichts zu sehen. Vermutlich hielt sich sie sich weiter im Innern versteckt.

Nacheinander drangen die Soldaten mit schussbereiten Waffen in das fremde Schiff ein, wobei sie feststellen mussten, dass in dessen Innern Schwerelosigkeit herrschte.

Offensichtlich hatten die Fremden die Aggregate zur Erzeugung künstlicher Schwerkraft ausgeschaltet, falls sie überhaupt so etwas besaßen.

Die Elektromagneten an den Stiefeln der Raumanzüge wurden eingeschaltet, so dass sich die Männer und Frauen des Kommandos auf gewohnte Weise fortbewegen konnten.

Dann drangen Terkins und seine Leute weiter in das Innere des fremden Raumschiffes ein..........

 

Ungefähr eine Stunde nachdem das Enterkommando an Bord des Fremdschiffes gegangen war, meldete sich Terkins über Bildfunk.

"Nun?" wollte der Kommandant wissen, "Haben Sie Kontakt mit der Besatzung aufgenommen?"

"Nein, Sir," antwortete der Hauptmann schulterzuckend, "Wir wissen nicht einmal, ob überhaupt eine Besatzung an Bord ist."

"Wie bitte?" wunderte sich Oberst Ridey, "Könnten Sie mir das genauer erklären?"

"Das ist nicht so einfach, Sir," meinte Terkins, "Das ganze Schiff ist vollgestopft mit Lebewesen. Aber es handelt sich ganz offensichtlich um verschiedene Spezies, die in Dutzenden von glasähnlichen Käfigen untergebracht sind. Und in jedem dieser Käfige herrschen andere Lebensbedingungen. Wir gehen davon aus, dass die Wesen darin von verschiedenen Welten stammen und in den Käfigen die jeweiligen Umweltbedingungen ihrer Heimatwelten künstlich erzeugt werden. Dieses Schiff ist praktisch eine Art fliegender Zoo."

"Und wo ist die Besatzung?"

"Keine Ahnung! Wir glauben, dass sie sich unter den Wesen dieses Weltraumzoos versteckt hält. Aber wir haben keinen Anhaltspunkt, welche dieser Wesen zur Besatzung gehören."

"Dann untersuchen Sie doch die Steuergeräte für die technischen Anlagen," schlug Ridey vor, "Daran können Sie zumindest erkennen, ob die Fremden Krallen, Hände, Saugnäpfe oder Tentakel haben, mit denen sie ihre Geräte bedienen."

Aus dem Empfänger klang ein kurzes, gequältes Lachen.

"Wenn es so einfach wäre, ständen wir hier nicht so ratlos 'rum," versuchte Terkins dem Kommandanten sein Dilemma zu erklären, "Die haben hier alles regelrecht zu Schlacke verbrannt, was uns Aufschluss über ihr Aussehen geben könnte. Alle Bedienungsanlagen oder Steuergeräte sind zusammengeschmolzen worden. Und den Rest der nicht lebensnotwendigen Einrichtung haben sie wohl in den Konverter ihres Antriebes geworfen. Das müssen verdammt schlaue Leute sein. Die haben sogar sämtliche Beschriftungen im gesamten Schiff entfernt. Jetzt stehen wir hier vor einer Sammlung von verschiedensten Lebewesen und haben nicht die geringste Ahnung, welche davon zur Besatzung dieses Schiffes gehören."

 

"Das darf doch einfach nicht wahr sein!" schimpfte Ridey wütend, "Seit fast 200 Jahren interstellarer Raumfahrt treffen wir zum erstenmal auf fremde raumfahrende Intelligenzen - und dann können wir sie nicht einmal identifizieren, obwohl sie direkt vor unserer Nase sitzen."

"Vielleicht könnten wir sie zwingen, sich uns zu erkennen zu geben," meinte Major Thomsen, "Wenn wir die Käfige öffnen, müssen sie irgendwie reagieren."

"Warum sollten sie das?" wollte Thea Vardenis wissen.

"Laut Terkin's Bericht herrscht an Bord des Fremdraumers Vakuum - außer in diesen Glaskäfigen," erklärte der 1.Offizier, "Die Fremden haben ja sogar ihre Bordatmosphäre entweichen lassen, damit wir nicht feststellen können, welches Gasgemisch sie für ihre Lungen brauchen. Wenn wir die Käfige öffnen, müssen sie sich zu erkennen geben, sonst werden sie ersticken."

"Das wäre Mord!" empörte sich die Leutnantin, "Wir haben keinen Grund, diese Wesen umzubringen. Schließlich haben sie keinerlei feindselige Absichten gezeigt. Sie haben sich ja nicht einmal gegen unseren Angriff gewehrt."

"Vermutlich liegt das einfach nur daran, dass sie keine Waffen haben, mit denen sie sich hätten wehren können," meinte Oberst Ridey, "Aber was sollen wir denn sonst tun? Etwa so lange warten, bis sie das Versteckspiel aufgeben und von sich aus mit uns Kontakt aufnehmen?"

"Können wir das Schiff nicht einfach mit zum nächsten Außenposten schleppen?" fragte Leutnant Larssen.

"Als Offizier der Raumgarde müssten Sie eigentlich wissen, dass wir kein anderes Schiff mit uns durch den Hyperraum schleppen können," hielt der 1.Offizier dagegen, "So weit ist unsere Technik leider noch nicht. Und für einen Flug mit Normalantrieb sind wir einige hundert Lichtjahre zu weit vom nächsten Stützpunkt entfernt. Die Flugdauer würde unsere Lebenszeit um ein Vielfaches überschreiten."

"Haben Terkins Leute denn gar keine Anhaltspunkte über die Identität der Fremden gefunden?" fragte die Vardenis.

"Nein," antwortete der 1.Offzier, "Sie haben zwar so etwas wie Unterkünfte gefunden, aber auch dort wurden alle Einrichtungen und Utensilien vernichtet. Wir wissen nicht einmal, ob die Fremden so etwas wie einen Hintern haben, mit dem sie sich auf einer Sitzgelegenheit niederlassen könnten. Wir wissen überhaupt nichts."

"Wurde das Flottenoberkommando schon informiert?" wandte sich Ridey an die Leiterin der Funkzentrale, die gerade den Konferenzraum betrat.

"Ja, wir haben einen Interdim-Funkspruch abgestrahlt," antwortete die Leutnantin Marion Shennon, "Wir haben alle Informationen durchgegeben, die uns derzeit bekannt sind. Aber mit einer Antwort können wir frühestens in fünf Tagen rechnen."

"Also dann," entschied der Kommandant, "Irgendwie müssen wir ja mal weiterkommen. Ich sehe keine andere Möglichkeit, um die Identität der Fremden herauszufinden: Terkins soll die Käfige öffnen lassen!"

 

Niemand konnte später genau sagen, was sich an Bord des Dreikugelschiffes abgespielt hatte, als die Soldaten des Enterkommandos die Käfige mit den darin befindlichen Lebewesen öffneten.

Irgendwie waren die Verschlussmechanismen der Käfige mit einer Art Selbstvernichtungsautomatik gekoppelt gewesen, die durch das Öffnen dieser Verschlüsse aktiviert worden war.

Das Dreikugelschiff wurde plötzlich von mehreren schweren Explosionen erschüttert, wobei vier Soldaten der Raumlandetruppe umkamen.

An mehreren Stellen wurde die Außenhülle des Raumschiffes durch die Wucht der Explosionen regelrecht zerfetzt, als bestände sie nur aus dünnem Papier.

Hauptmann Terkins und seine überlebenden Infanteristen kehrten fluchtartig an Bord der LEONIDAS zurück, dann wurden das Andock-Rohr und die Magnetanker hastig gelöst, damit sich das Schlachtschiff so schnell wie möglich von dem todgeweihten Raumschiff entfernen konnte, um nicht selbst von den Explosionen beschädigt oder sogar vernichtet zu werden.

Aus sicherer Entfernung konnten die Frauen und Männer auf der LEONIDAS schließlich auf den Außenbildschirmen beobachten, wie das fremde Dreikugelschiff von einer letzten, mächtigen Explosion in Stücke gerissen wurde........

 

"Bei allen Hunden der Hölle!" stieß der Kommandant entgeistert hervor, während er auf dem Zentralbildschirm das Ende des fremden Raumschiffes mitverfolgte, "Wer hätte denn so etwas ahnen können?"

"Was sollen wir jetzt tun?" fragte der 1.Offizier.

"Wir fliegen jetzt erst einmal zum Treffpunkt mit der SRV-21-8," entschied Oberst Ridey nach kurzem Nachdenken, "Hier können wir ohnehin nichts mehr tun."

"Aye, Sir," bestätigte der Major, "Ich lasse sofort den neuen Kurs eingeben. In 37 Stunden haben wir den Treffpunkt mit der SRV-21-8 erreicht. Danach können wir den Interdim-Flug zurück zum Solar-System antreten."

 "Schade, dass wir keinen Kontakt mit den Fremden aufnehmen konnten," meinte der Kommandant bedauernd, "Wenigstens haben wir Filmaufnahmen und Materialproben von dem Fremdschiff, so dass wir unsere Begegnung beweisen können. Aber damit soll sich die Raumforschungsbehörde und die Oberste Administration  befassen. Einige Leute zu Hause werden mit Sicherheit gewaltige Kopfschmerzen bekommen, wenn sie mit der Tatsache konfrontiert werden, dass es im Sagittarius-Arm eine fremde raumfahrende Macht gibt."

 

Das nervenzerfetzende Heulen der Alarmsirenen riss Leutnant Larssen brutal aus dem Schlaf.

Wie von der Tarantel gebissen sprang er aus dem Bett, ignorierte das leichte Schwindelgefühl, das ihn für einen kurzen Moment erfasste, und schaltete mit einem Tastendruck die visuelle Verbindung zur Kommandozentrale ein.

"Hier Larssen!" rief er in das Visiophon, "Was ist passiert?"

Auf dem Bildschirm erschien das blutüberströmte Gesicht von Major Thomsen.

"Larssen," keuchte er, "Hier ist die Hölle los! Der Kommandant ist tot. Terkins hat ihn erschossen. Die ganze Raumlandekompanie hat gemeutert und versucht jetzt das Schiff zu übernehmen. Sie schießen auf alles, was sich bewegt. Rufen Sie Ihre Leute zusammen und versuchen Sie zu den Beibooten zu kommen. Beeilen Sie sich!"

Dann waren Energiewerfer-Schüsse zu hören und die Verbindung zur Zentrale brach schlagartig ab......

Larssen sprang förmlich in seine Bordkombination hinein, schnallte sich den Waffengurt um und stürmte aus seiner Kabine. Draußen traf er auf einen Sergeanten, den Thea Vardenis geschickt hatte, um ihn zu holen.

Gemeinsam eilten sie zu einem Gerätelager, wo sich Thea Vardenis, Marion Shennon und sechs Techniker verschanzt hatten.

"Verdammt, was ist hier eigentlich los?" wollte er wissen, "Thomsen sagt, dass Terkins und seine Kompanie gemeutert und den Kommandanten umgebracht haben. Sind die denn plötzlich übergeschnappt?"

"Ich weiß auch nicht genau, was eigentlich passiert ist," antwortete einer der Techniker, "Die Infanteristen haben den Maschinenraum besetzt und auf alles geschossen, was sich bewegte. Ich konnte mich gerade noch in Sicherheit bringen. Aber ich habe deutlich gehört, dass sie sich untereinander in einer Sprache verständigt haben, die ich noch nie gehört habe."

"Was meinen Sie damit?" wollte Larssen wissen.

"Nun ja," sprach der Mann zögernd, "Das waren Pfeif-, Schnalz- und Klicktöne, die sich überhaupt nicht wie menschliche Laute anhörten. Die einzigen Silben, die ich verstehen konnte, hörten sich an wie 'NARDIM' oder so ähnlich. Und dann hab' ich noch etwas ziemlich Unheimliches gesehen."

"Was denn? Reden Sie schon!"

"Einer von den Infanteristen wurde von einem Energiewerfer tödlich getroffen," erzählte der Techniker, "Und dann hat er sich regelrecht aufgelöst --- ich meine, sein Körper ist einfach zu Brei zerflossen!"

Larssen starrte den Mann entgeistert an, während sich ein schrecklicher Verdacht in seinem Hirn bildete.

"Vielleicht sind Terkins und seine Infanteristen gar keine menschlichen Wesen mehr," flüsterte er schaudernd, "Wer weiß, was wirklich auf dem fremden Raumschiff passiert ist."

"Wenn du recht hast," meinte Thea Vardenis, "dann haben wir es mit fremden Wesen zu tun, denen es irgendwie möglich ist, die Gestalt anderer Lebensformen anzunehmen."

"Ist so etwas überhaupt möglich?" wollte der Sergeant wissen.

"Woher soll ich das wissen?" meinte sie schulterzuckend, "Wir wissen doch überhaupt nichts über die Wesen aus dem fremden Raumschiff. Aber wenn wir sie jetzt hier an Bord haben, dann haben sie Terkins und seine ganze Kompanie umgebracht, ihre Gestalt angenommen und sind so auf die LEONIDAS gekommen."

"Wenn das der Fall ist, dann ist das Schiff so gut wie verloren," murmelte der Sergeant, "denn gegen eine gut bewaffnete Raumlandekompanie haben wir nicht die geringste Chance. Wir sollten mit einem der Beiboote fliehen."

"Aber vorher müssen wir die Selbstvernichtungsautomatik auslösen, damit das Schiff nicht in ihre Hände fällt," meinte die Shannon, "Wenn diese Wesen in den Besitz unserer Waffen kommen, dann ist keine Sternenkolonie der Föderation mehr vor ihnen sicher."

"Zuerst einmal müssen wir hier herauskommen," sprach der Sergeant, "denn ich glaube nicht, dass außer uns noch jemand von der Besatzung am Leben ist. Und die Fremden werden uns bestimmt nicht verschonen, wenn sie uns hier entdecken."

"Und das kann nicht mehr lange dauern," murmelte die Vardenis, "denn irgendwann werden sie anfangen, das ganze Schiff zu durchsuchen. Wenn wir dann noch hier sind, erledigen sie uns."

"Wir können durch die Versorgungsschächte bis zu den Starthangars kriechen," schlug die Shannon vor, "Auf diesem Weg kämen wir auch in die Notzentrale, wo wir die Sprengautomatik auslösen können."

"Ein guter Vorschlag," stimmte Larssen ihr zu, "Wir sollten uns auf den Weg machen, bevor man uns hier entdeckt."

Zwei der Techniker montierten sofort das Abdeckgitter vor der Versorgungsschachtsöffnung an der Rückwand des Raumes  ab, dann kletterten sie nacheinander in den engen Leitungstunnel hinein.....

 

....ächzend kletterte Marion Shannon in den Versorgungsschacht zurück, in dem die anderen kauerten und auf sie gewartet hatten, während sie in der Notzentrale die Sprengautomatik aktivierte.

"Jetzt aber nicht wie weg!"  keuchte sie, "Wie haben fünfundvierzig Minuten Zeit, dann fliegt die LEONIDAS auseinander."

In aller Eile krochen sie weiter durch den engen Schacht, um so schnell wie möglich zu den Beibooten zu kommen.......

 

Es gelang ihnen, unbemerkt in einen der Starthangars zu kommen. Dort stießen sie jedoch auf zwei Infanteristen der Raumlandekompanie, die sofort das Feuer auf sie eröffneten und drei der Techniker umbrachten, bevor Larssen und die Shannon mit ihren Handlasern zurückschießen und die Infanteristen töten konnten.

Larssen konnte jetzt mit eigenen Augen sehen, wie die Körper der beiden Soldaten zusammensackten und sich regelrecht auflösten. Zurück blieben nur die Kampfanzüge und ein farbloser, dampfender Brei, der langsam auseinanderfloss.

Jetzt gab es für Larssen und die anderen nicht den geringsten Zweifel mehr, dass Fremde in Gestalt von getöteten Menschen die LEONIDAS erobert hatten.

Hastig rannten sie zu einem Beiboot, das dem Außenschott des Hangars am nächsten stand und gingen so schnell wie möglich an Bord.

"Wie sollen wir das Außenschott aufbekommen?" fragte Thea Vardenis, "Solange es geschlossen ist, können wir nicht starten."

"Ich zerstöre es mit der Bordkanone," antwortete der Sergeant, "Dann können wir hindurchstarten."

"Okay", nickte Larssen, "Zerschießen Sie das Schott, während ich das Beiboot starte."

Es dauerte keine Minute, dann feuerte das Bordgeschütz des Beibootes mehrere Male, bis das Außenschott auseinanderbrach.

Schlagartig entwich die Luft in das Vakuum des Weltraumes.

Fast im gleichen Moment zündeten die Triebwerke des Shuttles, das von seiner Startrampe abhob und - zusätzlich beschleunigt durch den Sog der entweichenden Luft - in die samtene Schwärze des Weltraumes hinausraste......

 

Sie waren noch nicht einmal 10 Kilometer weit von der LEONIDAS entfernt, als das mächtige Schlachtschiff hinter ihnen durch eine gewaltige Explosion auseinandergerissen wurde.

Obwohl Larssen den Antrieb auf volle Beschleunigung geschaltet hatte, wurde das Beiboot noch von der Druckwelle erfasst und wie ein welkes Blatt herumgewirbelt. Nur mit Mühe gelang es Larssen, das Kleinraumschiff wieder zu stabilisieren und erneut auf Fluchtkurs zu bringen, um der unmittelbaren Gefahrenzone zu entkommen.

Durch die Explosion des Schlachtschiffes wurde unzählige Trümmerteile wie Geschosse durch den Weltraum geschleudert.

Wenn das Beiboot von einem dieser Trümmerstücke getroffen wurde, waren sie so gut wie verloren.

Aber das Glück blieb ihnen treu und so gelang es Larssen, das Beiboot auf eine sichere Distanz zu bringen, um von dort aus das Explosionsgebiet zu beobachten.

Doch es gab keine Anzeichen dafür, dass außer ihnen noch jemand die Katastrophe überlebt hatte.

"Nun hat die Föderation ein Schlachtschiff verloren," murmelte Marion Shannon leise, "Ich glaube nicht, dass das Flottenoberkommando darüber sehr begeistert sein wird."

"Darüber können wir uns später noch Gedanken machen," meinte Larssen, "Jetzt müssen wir erst einmal den Treffpunkt mit dem Raumkreuzer SRV-21-8 erreichen, denn mit diesem Shuttle können wir keinen unserer Außenposten erreichen, weil es keinen Interdim-Antrieb hat."

"Die LEONIDAS hat fast das gleiche Schicksal erlitten wie ihr Namensgeber aus der irdischen Antike," sprach Thea Vardenis nachdenklich, "König Leonidas und seine Spartaner wurden vor Jahrtausenden im Kampf gegen die Perser vernichtet. Und heute haben wir unser Schiff im Kampf gegen einen unbekannten Feind verloren...."

 

Am 30. September des Jahres 2289 trafen die Überlebenden der LEONIDAS auf den Raumkreuzer, der noch immer am vereinbarten Treffpunkt auf das Schlachtschiff wartete.

Nachdem man sie an Bord genommen hatte, berichteten sie dem Kreuzerkommandanten von der Leonidas-Katstrophe, worauf Kapitän Romanow unverzüglich eine Interdim-Funksendung abstrahlen ließ, die das Oberkommando der Raumgarde über den Zwischenfall informieren sollte.

Danach entschloss sich der Kommandant, mit der SRV-21-8 unverzüglich den nächsten Flottenstützpunkt anzufliegen, um die Überlebenden der LEONIDAS so schnell wie möglich zur Erde bringen zu lassen, damit sie dort von ihren Erlebnissen berichten konnten ....

 

Abschließender Bericht des
Oberkommmandos der terranischen Raumgarde
an die Regierung und den Senat der terranischen Föderation:

"Nach Auswertung der letzten Interdim-Funksendungen der LEONIDAS und der Zeugenaussagen von den Überlebenden des verlorenen Schlachtschiffes liegt die Schlussfolgerung nahe, dass es im Gebiet des Sagittarius-Spiralarmes unbekannte, raumfahrende Intelligenzen gibt, die vermutlich über die Technik des interdimensionalen Raumfluges verfügen.
Laut Aussage der überlebenden Besatzungsmitglieder sind diese Fremdwesen in der Lage, die Gestalt anderer Lebewesen anzunehmen.
Ob sich diese Fähigkeit auf biologische Lebensformen beschränkt, ist bislang unbekannt. Die per Interdim-Funk übermittelten Aufnahmen von dem fremden Dreikugelschiff lassen die Schlussfolgerung zu, dass die fremden Intelligenzen über eine hochentwickelte Technik verfügen, die mit der unsrigen vergleichbar ist.
Vermutlich wurden die Aktionen der LEONIDAS von den Fremdwesen
als feindselige Handlung interpretiert, was ihr Verhalten als verständliche Reaktion erscheinen lässt. Daher kann nicht mit Bestimmheit gesagt werden, ob die Fremdwesen uns gegenüber grundsätzlich feindlich gesinnt sind.
Dennoch muss davon ausgegangen werden, dass die fremden Intelligenzen aus dem Sagittarius-Spiralarm eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Sicherheit der Kolonien und der anderen interstellaren Staatssysteme darstellen.
Es wird empfohlen, das Raumgebiet im Bereich des Pulsares
SCORPIUS-X-1 zukünftig verstärkt zu überwachen.
Das Trägerschlachtschiff ODIN von den strategischen Raumverbänden (StRV) und das 32.Kreuzergeschwader der schnellen Raumverbände (SRV) wurden bereits in diesen Raumsektor entsandt.
Das Oberkommando der Raumgarde erwartet weitere Direktiven durch die Regierung der terranischen Föderation.

 

Nachsatz:

Aufgrund der einzigen artikulierbaren Lautfolge ihrer Kommunikations-Tonfolgen werden die fremden Intelligenzen aus dem Sagittarius-Spiralarm zukünftig in den Datenbanken unter der Bezeichnung "NARDIM" geführt....."

 

Ende des 1. Bandes

 

 


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