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Fieberträume

von Karl-Heinz R. Friedhoff

Erbarmungslos brannte die Sonne vom Himmel herunter, ein strahlender, versengender Glutball, der alles in seiner Hitze kochen ließ. Aus dem Norden wehte ein leichter, lauwarmer Wind, der den Lebewesen in der Wüste nur wenig Linderung verschaffte.

Am wolkenlosen Himmel drehte ein gewaltiger Geier seine Runden, dessen Augen nach Beute suchten - irgendein Lebewesen, das Durst und Hitze umgebracht hatten.

Der Krieger war froh, das Ende der Wüste fast schon erreicht zu haben und dankte im stillen seinen Göttern dafür. Schon konnte er die Berge sehen, wo es Quellen mit klarem, erquickenden Wasser und schützenden Schatten gab.

Unerbittlich hatten die Sonnenstrahlen das Metall seines Brust- und Rückenpanzers immer mehr erhitzt, dass seine Haut darunter rot und voller Hitzeblasen war. An einigen Stellen war die Haut schon völlig wundgescheuert, denn der feine Sand war ihm unter die Rüstung und darunterliegende Toga gedrungen und rieb ihm die Haut vom Fleisch herunter. Aber er traute sich nicht, die Rüstung abzulegen, denn er wusste, dass er noch immer von den Wüstenräubern verfolgt wurde.

Vor vier Tagen war er noch mit einer Truppe von zwei Dutzend berittener Krieger gemeinsam unterwegs gewesen. Doch dann waren sie von einem nomadisierenden Wüstenstamm überfallen worden. Es war ein erbitterter Kampf gewesen, und am Ende war nur er allein noch am Leben geblieben.

Von den Wüstenräubern, die an Zahl dreifach überlegen gewesen waren, aber konnten nur zwei Verwundete entkommen, die ihrem Stamm erzählen konnten, wie die Söldner aus Babylon unter ihren Brüdern gewütet hatten.

Von da an wurde er zum Gejagten, denn die Wüstennomaden dürsteten nach Rache für ihre Toten, und sie wussten, dass einer der babylonischen Krieger dem Gemetzel entkommen war.

Vor ihnen war er quer durch die Wüste geflohen, denn er wusste, dass es besser war, in der Hitze umzukommen als ihnen lebend in die Hände zu fallen.

Am Mittag des vergangenen Tages war sein Pferd unter ihm zusammengebrochen und verendet. Er hatte zu Fuß weitermarschieren müssen, ständig dem Verdursten nahe.

Manchmal hatte er hinter sich in der Ferne Wolken aufgewirbelten Sandes gesehen, die sich stetig auf ihn zubewegten, genau auf seiner Spur, die weithin sichtbar war. Der Wind verwischte die Spuren zwar innerhalb weniger Stunden, aber für die Wüstensöhne blieben sie lange genug sichtbar, dass sie ihm folgen konnten.

Der feine Sand war ihm in die Augen gedrungen und hatte sie entzündet, so dass sie rot angelaufen waren und ständig tränten.

Durch den Wassermangel und die Hitze war sein Hals wie ausgedörrt, und seine angeschwollene Zunge lag ihm wie ein unförmiger Klumpen im Mund.

Der Krieg gegen den Mitanni-König Tuschratta hatte Jahre gedauert. Nun endlich, nach vielen blutigen Gemetzeln, war das Mitanni-Reich untergegangen, und die babylonischen Söldnertrupps konnten nach Hause ziehen.

Narben an seinem Körper und die Auszeichnungen an seinem zerschrammten Brustpanzer waren die Zeichen, welche bewiesen, dass er stets in den vordersten Schlachtreihen gekämpft hatte.

Plötzlich wurde ihm schwindlig, sein Kopf schmerzte und Fieberschauer schüttelten seinen zerschundenen Leib. Ihm schwanden die Sinne, und er stürzte schwer in den glühendheißen Sand......

  ........und als er wieder zu sich kam, hatte er irgendwie die Berge erreicht.

Von seinen Verfolgern war nichts mehr zu sehen. Offenbar hatten sie die Jagd nach ihm endlich aufgegeben.

In den Bergen fand er endlich Wasser, das ihm seine Lebenskräfte zurückgab. Und es gelang ihm, ein kleines, ihm unbekanntes Pelztier zu erlegen, das er auf einem schnell entfachten Feuer briet und mit Heißhunger verzehrte. So gestärkt machte er sich wieder auf den Weg.......

Von einer kleinen Anhöhe aus sah er einige Tage später das Dorf, in dem er gelebt hatte, bevor er zu den Söldnern gegangen war.

Seine Blicke wanderten die Dorfstraße entlang und fanden sein Haus am Dorfende.

Fröhlich wanderte er in das Dorf hinab.

Menschen, die er noch gut kannte, kamen aus ihren Häusern und begrüßten ihn, hocherfreut über seine Heimkehr, bestaunten seine Narben und seine Auszeichnungen, so dass Stolz und Freude ihn erfüllten.

Und dann sah er das Mädchen, das er liebte, auf der Straße herbeieilen. Er war endlich heimgekehrt........

...........ein brutaler Tritt holte ihn in die Wirklichkeit zurück.

Er lag noch immer im heißen Sand, umringt von den Wüstenräubern, die ihn eingeholt hatten.

Mit einem krächzenden Aufschrei des Entsetzens griff er nach seinem Schwert und versuchte sich hochzurappeln.

Im nächsten Augenblick bohrte sich ein Pfeil durch sein Herz.....

                 Ende

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